Komplexe Feinde, gute Freunde

26. September 2008, 17:34
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"Die fetten Jahre sind vorbei", jetzt auch als mäßig geglückte Theaterversion im Rabenhof

Wien - Globalisierungskomödie oder Jugenddrama? Hans Weingartner behielt sich in seinem Erfolgsstreifen aus dem Jahr 2004 Die fetten Jahre sind vorbei eine unbestimmte Tonlage vor. Der Spielfilm ist zu gebrochen für eine Komödie, hält aber auch genug Sicherheitsabstand zum Tragischen.

Ein eingeschworenes jugendliches Trio protestiert in wohlüberlegter Form gegen den globalen Kapitalismus und gerät in eine vertrackte Lage: In nächtlichen Streifzügen verteilen Peter, Jan und Jule Denkzettel in den Villen der Reichen - "Die fetten Jahre sind vorbei" - und grüßen mit "Die Erziehungsberechtigten" . Gestohlen wird nicht.

Einer der Einbrüche geht schief, und der Besitzer des Anwesens muss als Geisel mit auf eine Almhütte, wo sich revolutionäre mit libidinösen Absichten verbinden.

Komödie oder Tragödie? Das Rabenhoftheater wählt im Zweifelsfall lieber Ersteres. Bei der Theaterversion von Gunnar Dreßler (Premiere war am Mittwoch in Wien-Erdberg) verfiel Regisseur Roman Freigaßner dann aber doch noch ins Grübeln: Nach einem rasanten, schalkhaften Auftakt, der in seiner Oberflächlichkeit und seiner schnellen, pointenhaften Szenenfolge einem Comic ähnelt, beschloss er, vom Ernst der Lage im zweiten Teil doch noch in ehernen Tönen weiterzuerzählen.

Das hat dann aber keiner mehr so recht geglaubt. Auch wenn der Neo-Regisseur (bisher Dramaturg des Hauses) alles dafür aufgeboten hat, allem voran eine über die Maßen rührende Sängerin namens Makki samt Background-Keyboarder Rainer Binder-Krieglstein. Gemeinsam winden sie sich hinter Plexiglas famos durch alpenländische Melodien.

Daneben wird kräftig im Wiener Lokalkolorit weitergespielt. Dass die jungen Menschen (Sebastian Wendelin, Marie-Luise Haugk und Michael Schusser) bei den Überfällen trällernd auf das Lied der Arbeiter von Wien zurückgreifen müssen, ist ein herber Schlag für Revolutionäre von heute. Das ist die große Pein: Der Feind ist zu komplex geworden; und der stinkreiche Bonze (Bernhard Majcen) am Ende gar sympathisch.

Viel Gespür für Tempo und inszenatorische Ideen hat Freigaßner aber bewiesen: Die Einbrüche finden im Minimundus-Format statt und werden auf Leinwand projiziert. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.09.2008)

Apropos: maschek live zur Wahl, Rabenhof, Sonntag, 20 Uhr

  • Golf spielen immer nur die anderen: Der Bonze (Bernhard Majcen) zeigt der Jugend, wie Reichsein geht.
    foto: pertramer

    Golf spielen immer nur die anderen: Der Bonze (Bernhard Majcen) zeigt der Jugend, wie Reichsein geht.

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