Krimi: Der Russe auf der Dachterrasse

26. September 2008, 16:47
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Eva Rossmanns "Russen kommen"

Einerseits sind sie gerngesehene Gäste, wenn sie ihr Geld unters Volk bringen, andererseits macht man sich über sie lustig: die neureichen Russen sind ein Klischee, dem Mira Valensky bei ihrem Skiurlaub auf dem Arlberg leibhaftig begegnet. Warum sich die vier Russen in der noblen Skihütte panikartig durch den Küchenausgang entfernen, während ein Helikopter mit weiterer Prominenz landet, erregt die Neugierde der Journalistin, die mit dieser Momentaufnahme erst wenig anzufangen weiß. Zurück in Wien, schlägt sie ihrem Chefredakteur dennoch eine Russen-reportage vor, die auf wenig Begeisterung stößt.

Das ändert sich, als ein Oligarch tot auf einer Dachterrasse am Wiener Graben gefunden wird. Miras Recherchen ergeben einen unklaren Zusammenhang mit den Vorkommnissen auf dem Arlberg. Mithilfe der Putzfrauenconnections ihrer Freundin Vesna ist sie den offiziellen Ermittlern ein Stück weit voraus; der Ortswechsel zwischen Arlberg, Wien und Moskau bringt Schwung in die sonst eher harmlose Geschichte. Mira lernt aber auch eine ganz andere Seite des Russen-Booms kennen. Auf dem Land erinnern sich die älteren Frauen noch gut an den Schreckensruf "Die Russen kommen!". Eva Rossmanns Krimi spart exzessive Grauslichkeiten aus. Das kann durchaus erholsam sein, zumal sie wieder allerlei fachliche Anmerkungen zu exzellentem Essen macht. Insgesamt ein unaufgeregter Krimi, der nebenbei mit fixen Vorstellungen aufzuräumen versucht: die Gauner sind nicht nur die anderen. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.09.2008)

Eva Rossmann, "Russen kommen". € 19,50 / 275 Seiten. Folio, Wien/Bozen 2008

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