Die Problemlöserin

1. Oktober 2008, 17:00
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"Kleidung ist dazu da, Schokoladenseiten hervorzukehren" - "Seven easy pieces" in Schwarz machten Designerin Donna Karan zum Star - Ein Porträt zum 60. Geburtstag

Bodysuit, Wickelrock, Sakko, Pulli, Hose, Mantel und ein Abendkleid. Mehr braucht die Frau von heute nicht, um immer und überall gut angezogen zu sein. Das Konzept der "seven easy pieces" von  Modeschöpferin Donna Karan machten sie 1984 zum Star der New Yorker Design-Szene. Ihr Rezept: alle Teile sind Schwarz und mit einander kombinierbar. Sogenannte "Highlights", wie sie sagt, bilden reduziert eingesetzte Farbtupfer in Knallrot, Zitronengelb und Apfelgrün. Bei den Materialien - in erster Linie Strick, Jersey, Lycra, Leder und Neopran - setzt Donna Karan auf Pflegeleichtigkeit.

Obwohl ihre Entwürfe für die vielbeschäftigte Berufsfrau gedacht sind - "Mode für Menschen, die nicht wissen, wo der Tag sie hinführen wird", wie sie in einem Interview gesagt hat - zeigen sich Hausfrauen von der Zweckmäßigkeit der Modelle genauso begeistert. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Donna Karan sich an der Durchschnittlichkeit des Frauenkörpers orientiert und nicht an - für viele unerreichbaren - Modelmaßen. Es geht ihr darum, Mode für die "normale Frau" zu machen: "Nicht jede Frau hat eine Elfentaille: Kleidung ist dazu da, Problemzonen zu kaschieren und Schokoladenseiten herauszukehren". Der Donna Karan-Mix soll "etwas für alle sein", vorausgesetzt sie haben das nötige Kleingeld.

Karriere bei Anne Klein

Die Begeisterung für Mode hat Donna Karan, geborene Faske, sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Ihr Vater Gabby war Schneider, Mutter Helen war Model. Nach einer zweijährigen Ausbildung an der Parsons School of Design in New York schloss sie - gerade neunzehn geworden - ein Sommerpraktikum bei Modeschöpferin Anne Klein an. Und blieb. Bereits drei Jahre später war sie zur Designerin aufgestiegen und erhielt nach dem Tod von Anne Klein 1974 die Chance, die Leitung der Firma zu übernehmen.

Nach der Geburt von Tochter Gabrielle, "Gabby" genannt, und der Scheidung von Ehemann Nummer eins, Mark Karan, lancierte sie 1982 die Zweitmarke "Anne Klein II". Sechs Jahre darauf erkannte sie den Trend, neben der Couture-Linie auch Erschwingliches anzubieten: "Die Pizza zum Kaviar einer Kollektion" sozusagen und kreierte das jugendliche und preisgünstigere Label DKNY. 1997 folgte "D Karan für Twens" sowie Kollektionen an Unterwäsche, Accessoires, Kosmetika und zwei Männer-Linien. Den schwarz-goldenen Flacon ihres Parfums "Donna Karan New York" in Form eines Frauenkörpers entwarf übrigens Ehemann Nummer zwei, der Bildhauer Stephan Weiss.

2001 verkaufte Donna Karan ihr Unternehmen an den französischen Luxuskonzern Louis Vuitton-Moet-Hennessy, zu dem auch Edelmarken wie Dior, Guerlain und Givenchy gehören. Der Name Donna Karan steht aber weiterhin für eine Mode, die sich den "Problemzonen" von Frauen widmet. (dabu/derStandard.at, 01.10.2008)

 

 

  • Designerin Donna Karan bei der Premiere des Dokumentarfilms "I Am Because We Are" am 24. April 2008 in New York. Geboren wurde sie am 2. Oktober 1948 in Long Island / USA.
    Foto: AP/Peter Kramer

    Designerin Donna Karan bei der Premiere des Dokumentarfilms "I Am Because We Are" am 24. April 2008 in New York. Geboren wurde sie am 2. Oktober 1948 in Long Island / USA.

  • Die Designerin im September 2007
    Foto: AP/SETH WENIG

    Die Designerin im September 2007

  • Donna Karan im September 2004
    Foto: AP/STUART RAMSON

    Donna Karan im September 2004

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