Sprachen brauchen nur drei Generationen zum Aussterben

26. September 2008, 14:56
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"Europäischer Tag der Sprachen": Laut For­schern rund 50 Sprachen jährlich vom Verschwin­den bedroht - Aber auch neue kommen dazu

Münster - Jedes Jahr sind weltweit rund 50 Sprachen vom Aussterben bedroht. Dies ist zwar an sich ein normaler Prozess, dieser habe sich aber im Laufe des 20. Jahrhunderts dramatisch beschleunigt, erklärte Nikolaus Himmelmann vom Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft der Universität Münster am Freitag.

Wenn Sprachen verschwinden, geschehe dies innerhalb von drei Generationen: Die erste beherrsche noch zwei Sprachen, etwa Deutsch und Plattdeutsch. Es werde allerdings nur eine davon an die Kinder weitergegeben. Diese könnten dann beispielsweise zwar noch "Platt" verstehen, aber nicht mehr sprechen. Mit den Enkeln sei die Sprache dann schon tot.

200 europäische Sprachen

Das geografische Europa zähle etwa 200 Sprachen, was im Vergleich zu insgesamt 6.500 weltweit eher wenig sei. Das liege hauptsächlich daran, dass die europäischen Staaten im 18. und 19. Jahrhundert eine einheitliche Nationalsprache schufen. Beispielsweise seien das Friesische oder Bretonische stark bedroht. Trotz des Wegfalls vieler Sprachen, kämen aber auch neue hinzu. Das sei der Fall bei Englisch: Bewohner des australischen Tasmaniens und Nordengländer würden sich wahrscheinlich nicht verstehen, vermutete Himmelmann.

Die Europäische Union möchte mit dem heutigen "Europäischen Tag der Sprachen" diesem Trend des Aussterbens entgegenwirken. Auch die Gesellschaft für bedrohte Sprachen (GBS), deren Vorsitzender Himmelmann ist, verfolgt dieses Ziel. Beispielsweise unterstützt sie die Arbeit an Dokumentationen, mit denen man alte Sprachen lernen kann. (APA/dpa/red)

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    Ende der babylonischen Sprachverwirrung: Jährlich sind global gesehen rund 50 Sprachen vom Aussterben bedroht, nur wenige neue kommen dazu.

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