Vier Filme mit Favoritenstatus für "Goldene Muschel"

26. September 2008, 13:18
posten

"Frozen River", "Still Walking", "Tiro en la cabeza" und "Camino" haben gute Chancen auf den Hauptpreis beim Filmfestival von San Sebastian

San Sebastian - Das 56. Internationale Filmfestival von San Sebastian - neben Cannes, Venedig und Berlin eines der vier großen europäischen A-Filmfestivals - geht seinem Ende entgegen. Nach zehn Festivaltagen wird am Samstag in der nordspanischen Küstenstadt entschieden, welcher der 15 Wettbewerbsbeiträge als bester Film mit der "Goldenen Muschel" ausgezeichnet wird. Die Entscheidung dürfte der Jury unter Leitung von Regisseur Jonathan Demme nicht leicht fallen: Gleich vier Filme liefern sich in diesem Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die besten Chancen dürfte Courtney Hunts Debütfilm "Frozen River" haben, der bereits auf dem Sundance-Filmfestival mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde. Er handelt von einer Frau im amerikanisch-kanadischen Grenzgebiet, deren spielsüchtiger Mann mit der Familienkasse durchgebrannt ist. Als die Not am höchsten ist, lernt sie die amerikanische Ureinwohnerin Lisa Littlewolf kennen. Zusammen schmuggeln sie im Kofferraum ihres Wagens illegale Einwanderer in die USA, um finanziell zu überleben.

Konkurrenz aus Japan und Spanien

Harte Konkurrenz im Kampf um die "Goldene Muschel" bekommt "Frozen River" vor allem vom Familiendrama "Still Walking". Der japanische Beitrag von Hirokazu Kore-Eda erzählt vom schwierigen Verhältnis zwischen einem alternden Vater und seinem arbeitslosen Sohn, der es nicht schafft, die Stellung des verstorbenen älteren Bruders einzunehmen und die Liebe des Vaters zu gewinnen.

Zu ernsten Anwärtern auf die "Goldene Muschel" zählen in diesem Jahr auch zwei spanische Beiträge, "Tiro en la cabeza" ("Kopfschuss") und "Camino". Während der katalanische Regisseur Jaime Rosales in "Kopfschuss" auf ungewöhnliche Weise ein wahres Attentat der baskischen Terrororganisation ETA nacherzählt, beeindruckte Regisseur Javier Fressers Filmkritiker wie Zuschauer mit seiner Geschichte über ein im Sterben liegendes Mädchen. Der Film ist gleichzeitig als harte Kritik auf die katholische Vereinigung Opus Dei zu lesen, was bereits für Debatten auf dem Festival sorgte. Die mit Spannung erwarteten Filme von Michael Winterbottom ("Genova") und Samira Makhmalbaf ("Two legged horse") enttäuschten hingegen auf dem Festival.

Schauspieler-Preise

Schwierig dürfte in diesem Jahr für die Jury auch die Wahl der besten Schauspielerin werden. Für ihre atemberaubende Darbietung als Mutter der im Sterben liegenden "Camino" könnte Carme Elias mit der "Silbernen Muschel" belohnt werden. Brillant waren allerdings auch die Leistungen von Melissa Leo in "Frozen River", von Veronica Echegui in "El patio de mi carcel" und der bereits 90-Jährigen Tsilla Chelton im türkischen Familien-Alzheimer-Drama "Pandoras Box". Bei den männlichen Schauspielern stachen neben Colin Firth lediglich der Laiendarsteller Ion Arretxe aus "Kopfschuss" sowie der Däne Ulrich Thomsen aus "Fear me not" ("Fürchte mich nicht") hervor.

Wer seinen Preis bereits sicher hat, ist die zweifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep, die am Freitagabend mit dem "Donostia-Preis" für ihre Filmkarriere ausgezeichnet wird. Der diesjährige Publikumspreis scheint in diesem Jahr laut dem offiziellen Festivalstimmungsbarometer an die Coen-Komödie "Burn after reading" mit Brad Pitt, George Clooney und John Malkovich zu gehen, dicht gefolgt von der israelischen Verfilmung "Lemon Tree", welche auf der Berlinale den Publikumspreis erhielt.  (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Crew von "Camino": Regisseur Javier Fesser und die SchaupielerInnen Manuela Velles, Nerea Camacho, Mariano Venancio und Carme Elias (von links nach rechts)

Share if you care.