"Prüfstein für das demokratische Selbstverständnis"

26. September 2008, 12:19
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Repressionen gegen Autor Cardenal in Nicaragua: PEN protestiert

Darmstadt - Das PEN-Zentrum Deutschland hat den Sandinisten in Nicaragua im Zusammenhang mit Repressionen gegen den Schriftsteller Ernesto Cardenal Zynismus vorgeworfen. "Ausgerechnet die sandinistische Regierung unter Daniel Ortega bekämpft mit unlauteren Mitteln und mit üblen Methoden einen ihrer ehemaligen Weggefährten", protestierte die Schriftstellervereinigung am Freitag in Darmstadt. Der 83 Jahre alte Lyriker, frühere Priester und einer ihrer renommiertesten Fürsprecher, habe die Amtsführung, den Lebensstil und die politische Praxis Ortegas offen kritisiert.

Fadenscheinige Begründungen

Dafür sei er "mit fadenscheinigen Begründungen zu einer Geldstrafe verurteilt worden". Der Strafvollzug werde offensichtlich auf Betreiben Daniel Ortegas angestrebt. Der bekennende "Freiheits-Theologe" Cardenal sehe in der Tatsache, dass heute wie in den Zeiten der Diktatur einige wenige Familien das Land beherrschen, einen Verrat an den Idealen Augusto Cesar Sandinos. Cardenal war nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza 1979 Kulturminister in seinem Heimatland. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

"Kein Respekt vor der Opposition"

Nach Überzeugung des PEN verlieren die Sandinisten, "die einst angetreten sind, um die Diktatur Somozas zu beenden und um Menschenrechte in Nicaragua durchzusetzen", mit ihrem Kampf gegen Cardenal jede Glaubwürdigkeit. Die politische Befreiung, für die sie einst gekämpft haben, sei ohne Respekt vor der Opposition und ohne Toleranz nicht möglich, sagte der Generalsekretär des deutschen PEN, Wilfried F. Schoeller. Er bezeichnete dem Fall des Kritikers Cardenal als "Prüfstein für das demokratische Selbstverständnis der sandinistischen Regierung in Nicaragua". (APA/dpa)

 

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