US-Pleitewelle rollt auf Europas Banken zu

26. September 2008, 18:43
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Pleite der Banken wäre für Amerikaner "noch teurer" - US-Pleitewelle rollt auf Europas Banken zu - Der Absturz der größten US-Sparkasse lässt die Welt der Geschäftsbanken erbeben

Auch in Europa stehen Banken mittlerweile massiv unter Druck.

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Washington - Die Bankenkrise erreicht einen neuen Höhepunkt. Die größte US-Sparkasse, Washington Mutual (WaMu), ist zahlungsunfähig. Die größte Bankenpleite in der US-Geschichte, gemessen an den Spareinlagen, hat die Einlagensicherung (Federal Deposit Insurance Corporation, FDIC) auf den Plan gerufen. Die FDIC übernahm WaMu, verkaufte jedoch Teile, insbesondere die Spareinlagen, an die Geschäftsbank JPMorganChase. 1,9 Milliarden Dollar (1,29 Milliarden Euro) bezahlt die Bank dafür.

Waren es bisher vor allem Investmentbanken und Hypothekenfinanzierer aus dem sogenannten Schatten-Bankensystem, die in die Pleite schlitterten, ist WaMu ein Vertreter der klassischen Finanzwelt, mit Spareinlagen im Wert von umgerechnet 125 Milliarden Euro. Doch die Kunden haben das Vertrauen in die Sparkasse verloren. Seit dem 15. September haben sie mehr als elf Milliarden aus der Bank abgezogen. Zum Vergleich: Die kalifornische Regionalbank Indymac, die im Juli insolvent wurde, hatte Einlagen in Höhe von 22 Mrd. Euro. JPMorganChase wird nach der Übernahme zur größten Geschäftsbank gemessen an den Einlagen. 900 Mrd. Dollar verwaltet die Großbank damit (siehe Artikel).

Sargnagel wird verkauft

Doch JPMorganChase übernimmt auch das Hypothekengeschäft von WaMu. Die Sparte hat das Ergebnis zuletzt massiv belastet und auch den Eigenkapitalstock des Unternehmens abschmelzen lassen. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres erlitt WaMu einen Verlust von 3,3 Mrd. Dollar.

Während die Einlagen von WaMu gesichert sind, ist das Schicksal der knapp 44.000 WaMu-Mitarbeiter noch ungewiss. Bittere Gewissheit gibt es hingegen für mehr als eintausend Investmentbanker: Die britische Bank HSBC baut weltweit 1100 Jobs in der Investmentsparte ab. Zuletzt sind in der Bankenbranche rund 80.000 Jobs vernichtet worden.

Die WaMu-Pleite stellt das US-Finanzsystem auf eine harte Probe. Denn zahlreiche Unternehmen halten Anleihen oder Aktien an der Sparkasse. Besonders Versicherer sind investiert. Capital Research and Management hält Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar, der mittlerweile verstaatlichte Konzern American International Group (AIG) mehr als 250 Millionen Dollar.

Dänen straucheln

In Dänemark wurde am Freitag nach einem Kurssturz von 24 Prozent die Aktie der Bonusbanken aus dem Börsenhandel genommen. Einer der wichtigsten Großkunden, der Immobilieninvestor Kenneth Schwartz Thomsen, ging in Konkurs. Bereits im Sommer ging die Roskilde Bank ein. Auch die belgische Bank Fortis ist in Schwierigkeiten. Die Bank hatte bereits im Juni Bereiche verkauft, um die Kapitalbasis zu stärken. Laut Wirtschaftszeitung De Tijd steht Fortis davor, Teile des Kerngeschäftes zu verkaufen. Man braucht angeblich weitere fünf Mrd. Euro. Zudem wurden die Fortis-Aktionäre auch von Gerüchten verunsichert, wonach die Bankenaufsicht die Rabobank um eine Kapitalspritze gebeten hat. Belgiens Finanzminister versuchte zu beruhigen. Doch die Verwirrung blieb. Nachdem Fortis am Freitag um neun Uhr eilig eine Konferenz für Investoren und Medien angekündigt hatte, sagte sie diese 20 Minuten später wieder ab. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.9.2008)

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    Die Sparkasse Washington Mutual ist das jüngste Opfer der US-Finanzkrise.

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