Wenn das Geld "gerade noch" reicht

25. September 2008, 21:09
76 Postings

In Zeiten steigender Lebenskosten wird auch für ganz junge Wähler der Alltag zum Spagat - Der SchülerStandard hörte sich bei Lehrlingen und Schülern um, was sie nach der Wahl erwarten

Wien - 50 Cent müssen in den Spielautomaten, dann kann das Spiel ums Glück beginnen. Einer der Jungen zieht eine Münze aus seiner Tasche, doch bevor er sie einwerfen kann, tritt ein Mitarbeiter der Spielhalle vor ihn; Er deutet auf das Schild „Ab 18 Jahren".
„Wir sind nur einmal im Monat hier", meint Gökhan Aydemir (17). Rund 50 Euro geben er und Eddy Pej (18) für das Vergnügen im Prater aus. Mehr geht nicht. Denn sie leben unabhängig von ihren Eltern in einer kleinen Wohnung.

Das Geld reicht im Alltag „gerade noch", für Besuche der Disko „Empire" haben sie aber immer etwas übrig. Die Teuerungen, erzählen sie, sind zwar nicht spurlos an ihnen vorübergegangen, von der Politik erwarten sie aber keine Besserung der Lage.
Gökhan (17) wird jedenfalls nicht wählen gehen. „Wozu auch?" Außerdem: „Wir können ohne Bundespräsidenten leben." Die Auskunft, dass die Nationalratswahl stattfindet, überrascht ihn, seinen Freund bringt dies zum Lachen.

Von dem Geld, das sie durch ihre Lehrstellen als Kellner und Tischler verdienen, 500 bis 700 Euro pro Person, bleiben zu Monatsende 50 Euro übrig. Am meisten geben sie für Essen aus, erklärt Gökhan, doch Strom, Wasser und Heizen seien teuer, „deswegen machen wir die Heizung nie an".
Für die Lehrlinge sind die steigenden Lebenskosten brisant. „Ich merke, dass alles teurer wird. Essen, Miete aber auch das Fortgehen", meint Alice (18). Sie und Tanja (17) geben zumindest ihr halbes Gehalt fürs Fortgehen aus. Als Medientechnik-Lehrlinge fühlen sich beide von der Politik viel zu wenig unterstützt. „Wir haben eine 38-Stunden-_Woche und bekommen 240 Euro im Monat, das sind acht Euro pro Tag. Daran muss sich etwas ändern, vor allem weil alles teurer wird", fordert Tanja von einer neuen Regierung.
Viermal monatlich Shopping

Stefan (17) merkt die Teuerung beim Fortgehen und vor allem beim Tanken, deshalb fühlt er sich von der FPÖ politisch am besten vertreten. Die „Ausländerfrage" ist es auch, die ihn dazu bewegt, diese Partei zu wählen, für die er sich später engagieren will.

Die so genannte „Teuerung" ist nicht nur Lehrlingen ein Begriff. Julia Praus (14) erhält rund 100 Euro Taschengeld monatlich. Einmal wöchentlich geht sie auf der Mariahilferstraße einkaufen, trotzdem gebe sie das meiste für Alkohol und Zigaretten aus, scherzt sie. Höhere Preise bei Milch zB, sind ihr aber aufgefallen, betont Julia.
Gökhan erinnert sich gerne an das „geile" Leben mit Taschengeld. Jetzt müsse er sehen wie er mit seinem Geld auskommt. Ist er zufrieden mit dem, was er hat?_Er verweist auf seine abgenutzten Sneakers und fragt lächelnd: „Schau dir meine Schuhe an! Kann man da zufrieden sein?" (Ana Marija, Cvitic Sara, Mansour Fallah, Sebastian Pumberger/DER STANDARD-Printausgabe, 26. September 2008)

 

Share if you care.