Wer hat in welchem Land die Nase vorn?

25. September 2008, 20:48
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Welche Partei muss sich wo auf ein Niederlage einstellen? Wie der Wahlkampf in den Bundesländern lief - Ein Überblick

Wer hat in welchem Land die Nase vorn? Welche Partei muss sich wo auf ein Niederlage einstellen? Wie der Wahlkampf in den Bundesländern lief. Ein Überblick.


Vorarlberg ist weit weg von Wien

"Die Stimmung ist so gut, das ist fast verdächtig", ist SPÖ-Geschäftsführer Franz Lutz irritiert über die Reaktionen im Straßenwahlkampf. Denn parteiintern war von Begeisterung wenig zu spüren. Man hatte Mühe, die Gusenbauer-freundliche Funktionärsbasis für Faymann zu motivieren. Viel zu verlieren hat die SPÖ nicht, sie erreichte 2006 den Tiefststand (18,5 Prozent). Motivationsprobleme hatte auch die in Vorarlberg erfolgsverwöhnte ÖVP, ihr Wahlkampf lief erst in der letzten Woche an. Für die Grünen geht es am Sonntag nicht nur um ihr einziges Vorarlberger Mandat, sondern auch um den dritten Platz. Mit 16,4 Prozent überholten sie 2006 wie 2002 die FPÖ (10,9 Prozent). Die Freiheitlichen wollen wieder aufs Stockerl, rechnen mit zwei Mandaten und einem Absturz der ÖVP (42 Prozent). Fragezeichen sind BZÖ (3,2 Prozent) und LIF. (jub)


Der schwarze Battleground

Bei Landeswahlen braucht die ÖVP in Niederösterreich nichts zu fürchten. Bei Nationalratswahlen sieht das anders aus: Über acht Prozent verloren die Schwarzen 2006, mit 39,2 Prozent lagen sie gerade noch vor der SPÖ (36,2 Prozent).

So etwas darf nicht wieder passieren, scheint man sich vorgenommen zu haben, schon gar nicht, wo man mit Josef Pröll den schwarzen "Kronprinzen" zum Spitzenkandidaten hat. Er hat es geschafft, im Wahlkampf jeden einzelnen Bezirk zu besuchen. Über 40.000 Bürgerkontakte, sagt die ÖVP, habe es bereits gegeben.

Die anderen Parteien tun sich schwer, trotz flächendeckender ÖVP-Werbung durchzukommen. Sie schicken weniger prominente Kandidaten ins Rennen. Auf Bundesebene bekannt ist einzig Dieter Brosz, Bildungssprecher der Grünen. SPÖ-Spitzenkandidat Hannes Fazekas fiel als Nationalrat bisher nicht weiter auf. FPÖ-Listenerster ist Walter Rosenkranz, und das BZÖ setzt mit Ernst Windholz auf einen ehemaligen blauen Landesrat. (hei)


Beste Rote als Ziel

Im Burgenland erwartet niemand ernsthaft eine entscheidende Änderung. Die fünf möglichen Mandate werden sich SPÖ und ÖVP wohl wiederum im Verhältnis 3:2 teilen. Der bekannt mobilisierungsstarke rote Parteiapparat läuft dennoch fürs ausgegebene Ziel, "beste Länderorganisation aller Parteien" zu werden. Auch die Schwarzen sammeln noch einmal ihre Ortsgruppen. Grüne und FPÖ rittern um den entsprechenden Anteil an Reststimmen für ihre Bundeskandidaten. Die einzig spannende Frage stellt Fritz Dinkhauser. Mit dem Deutschkreutzer Ex-FPÖ-Bürgermeister Manfred Kölly und seinem Bad Sauerbrunner Bürgerlisten-Amtskollegen Gerhard Hutter hat die Liste Fritz recht prominente Protagonisten. Der prominenteste hat sich hingegen wieder davongemacht: Ex-FP-Chef Wolfgang Rauter unterstützt nun das BZÖ, das bisher unter der Wahrnehmungsgrenze lag. (wei)


Das entscheidende Land

In Oberösterreich wird die Wahl entschieden. Zumindest war dies seit den 1960iger-Jahren bei Nationalratswahlen so. Die Großpartei, die in Oberösterreich vorne lag, lag auch im Bund an erster Stelle. Und es dürfte, ähnlich wie auf Bundesebene, auch im Land ob der Enns ein knappes Rennen der beiden Großparteien werden. Mitte September deckten sich laut dem Linzer Spectra-Institut die Umfragewerte exakt mit jenen auf Bundesebene: Die SPÖ kam demnach auf 28 bis 31 Prozent, die ÖVP auf 26 bis 29 Prozent.

Die FPÖ lag laut Politikbarometer bei 17 bis 19 Prozent, das BZÖ bei drei bis fünf Prozent. Bei den Grünen (11 bis 13 Prozent) setzt man auf ein starkes Finale. "Wir konzentrieren unsere Intensivwerbung auf die letzten 72 Stunden", sagte Grünen-Chef Rudi Anschober. (mro)


Dinkhauser setzt auf Grundmandat

Bürgerforum-Frontmann Fritz Dinkhauser rechnet fest damit, ein Grundmandat in Tirol zu erreichen. Und das, obwohl Dinkhausers Antreten bei der Nationalratswahl von seinen 18,3 Prozent Unterstützern bei der Landtagswahl im Juni großteils kritisch gesehen wird. Sie hätten "ihren Fritz" eben gerne in Tirol, heißt es allerorts im Lande. Die Tiroler ÖVP legt sich die Latte niedrig, VP-Geschäftsführer Hannes Rauch rechnet mit 30 Prozent nach der Wahlschlappe bei der Landtagswahl mit einem Minus von fast zehn Prozent auf 40,5 Prozent.

Auch die SPÖ zittert, konnte sie doch schon bei der Landtagswahl ihre Wähler nicht mobilisieren und rutschte auf 15,6 Prozent (-10,2) ab. "Kanzlerkandidat Werner Faymann ist aber angenehm unverbraucht", tönt es von roten Funktionären. Nicht anders läuft es bei den Grünen, auch sie müssen sich von ihrer Tiroler Wahlschlappe im Juni erholen (-5,2 Prozent). Die Liberalen sind fast nur in Innsbruck (bildlich) präsent, die FPÖ setzt auf Heinz-Christian Strache. Tirols BZÖ-Kandidat ist eigentlich unbekannt. (ver)


In der ÖVP könnte es danach "rumpeln"

Es steht diesmal einiges auf dem Spiel in der Steiermark. ÖVP und SPÖ blicken bei dieser Nationalratswahl aber weniger nach Wien denn in Richtung 2010. Dann muss SP-Chef Franz Voves den 2005 eroberten Landeshauptmannsessel verteidigen. Bei der letzten Nationalratswahl hatte die ÖVP ganz knapp die Nase vorne. Gewinnt die VP abermals, wäre dies für Voves ein unangenehmer Ausrutscher auf dem Weg zur Landeswahl.

ÖVP-Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer säße dann zumindest fester im Sattel. Sollte seine ÖVP nämlich im Bundesland deutlich hinter der SPÖ zu liegen kommen, könnte es für Schützenhöfer eng werden. Recht laut werden schon Gerüchte gestreut, Bauernbundchef Fritz Grillitsch, der als Schützenhöfer-Nachfolger gehandelt wird, plane bereits einen Einzug in die Landesregierung - gleich nach der Nationalratswahl. Die Ausgangsbasis für beide Parteien ist in etwa gleich. Die VP spricht von einem Kopf-an-Kopf-Rennen, eine SP-Umfrage sieht die Roten bei 29 , die VP bei 27 Prozent. Bitter könnte es demnach für die Grünen werden. (mue)


Kampf um Neo-Österreicher

Eine Wählergruppe sorgt für besondere Spannung in Wien: die Neo-Österreicher. Denn traditionell wählen Wiens Eingebürgerte die SPÖ. Doch wegen seiner ablehnenden Haltung zur Anerkennung des Kosovo konnte Heinz-Christian Strache zuletzt bei serbischen Zuwanderern punkten, ebenso mit seiner Türkei-kritischen Haltung bei Kurden.

Doch auch bei Arbeitern, Pensionisten und männlichen Jungwählern ist die FPÖ traditionell stark in Wien: Bei den Gemeinderatswahlen 2005 erreichten die Blauen trotz der Zerstrittenheit des Dritten Lagers immerhin 14,83 Prozent und verdrängten damit die Grünen auf Platz vier (14,63 Prozent). Am Sonntag kann es der FPÖ gelingen, die ÖVP zu überholen und auf Platz zwei zu landen - was zuletzt 1999 der Fall war. Die SPÖ wird in Wien, gemessen an der letzten Nationalratswahl 2006, wohl etwas verlieren. Damals erreichte sie 41,4 Prozent. Noch schwieriger ist die Messlatte Gemeinderatswahl 2005 zu erreichen: Damals kam die SPÖ sogar auf 49,09 Prozent, das ist die absolute Mehrheit in Mandaten. (mil, stui)


Nationalratswahl zur Unzeit

Für Salzburgs Parteien sind die Nationalratswahlen äußerst ungelegen gekommen: Alle vier Landtagsfraktionen bereiten sich seit dem Frühjahr intensiv auf die Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am 1. März 2009 vor. Nur die FPÖ hatte versucht, etwas Schwung aus der Bundespolitik mitzunehmen. Ihr Ansinnen, die Landtagswahlen in den Herbst vorzuverlegen, scheiterte aber klar an der Landtagsmehrheit von SPÖ und ÖVP.

Die größte Sorge der Landes-Wahlkampfstrategen gilt weniger dem Ergebnis kommenden Sonntag als der Zeit danach. Dauert die Bildung einer Regierung quälend lange oder kommt es zu einer Neuauflage der großen Koalition, fürchten sowohl SPÖ als auch ÖVP, abgestraft zu werden. Nach jüngsten Umfragen dürfte bei den Nationalratswahlen in Salzburg die ÖVP mit 31 Prozent knapp vor der SPÖ mit 27 Prozent liegen. Die Grünen (elf Prozent) könnten zwar ihr Salzburger Mandat verteidigen, liegen aber deutlich hinter der FPÖ (15 Prozent). (neu)


Orange Sensation möglich

In Kärnten könnte sich zur Nationalratswahl kommenden Sonntag eine Sensation anbahnen. Erstmals könnte das BZÖ die SPÖ kärntenweit bei Nationalratswahlen überholen. Einer allerdings bereits zehn Tage alten Ifes-Umfrage zufolge liegt das BZÖ mit 17 Prozent knapp vor der SPÖ, die auf 16 Prozent kommt. Und das, obwohl das freiheitliche Lager in Kärnten doppelt kandidiert. Die FPÖ kommt dabei laut Rohdaten auf sechs Prozent. Bisher kam Haider bei Nationalratswahlen bei weitem nicht an die SPÖ heran. Nun liefern sich Orange und Rot ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 2006 schaffte die SPÖ 35,4 Prozent, das BZÖ lag mit 24,9 Prozent weit abgeschlagen. Das Grundmandat im Wahlkreis Ost verfehlte Haider damals nur um wenige Hundert Stimmen. Diesmal wird er es locker erreichen können. Aber auch im Wahlkreis West (Bezirk Spittal/Drau) könnte Haider ein zweites Grundmandat schaffen. Die ÖVP liegt mit neun Prozent weit abgeschlagen, die Grünen kommen auf etwa acht Prozent. (stein/DER STANDARD-Printausgabe, 26. September 2008)

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