Überfallener bulgarischer Journalist in Lebensgefahr

25. September 2008, 20:38
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Nationale Sicherheitsbehörde verdächtigt

Nach einem Überfall Montagabend in Sofia schwebt Ognjan Stefanov, Chefredakteur und Herausgeber der Internetzeitung frognews.bg, nach wie vor in Lebensgefahr. Stefanov wurde von vier maskierten Männern zusammengeschlagen. Mehr als hundert Journalisten und Vertreter von NGOs versammelten sich gestern in Sofia, um eine Aufklärung des Falls sowie jener um alle anderen Journalisten, die in den letzten Jahren Opfer von Gewalt wurden, zu fordern. Denn kein Täter ist bis jetzt vor Gericht gestellt worden.

Obwohl die Ermittlungen erst am Anfang stehen, verbindet man den Fall in Bulgarien mit der Staatlichen Agentur Nationale Sicherheit (Dans). Die Sicherheitsbehörde hatte vor zwei Wochen die Webseite "Opasnite novini" ("Gefährliche Nachrichten") unter dem Vorwand gesperrt, geheime Information verbreitet und somit den staatlichen Interessen geschadet zu haben. Hinter den anonymen Veröffentlichungen im Web vermutete Dans die Herausgeber von frognews.bg.

Nach dem Überfall auf Stefanov berichtete seine Frau von Treffen mit dem Dans-Mitarbeiter und Mitgründer des kriminellen Versicherungssektors Alexej Petrov. Medienberichten zufolge gilt Petrov als Hintermann des ehemaligen Innenministers Rumen Petkov, der wegen Kontakten zur organisierten Kriminalität seinen Posten aufgeben musste. Petkov, der Präsident Georgi Parwanov sowie andere einflussreiche Politiker kamen oft ins Visier des kritischen Stefanov.

Eingriffe in die Medienfreiheit häufen sich in letzter Zeit. Zuletzt haben Bodyguards des Premiers Sergej Stanischevs Journalisten an ihrer Arbeit gehindert: Die feierliche Eröffnung eines Wintersportzentrums durch den Regierungschef geriet zur Farce, als dieser eine Stunde in der Seilbahn ausharren musste. Bilder davon durfte die Öffentlichkeit nicht sehen. Das Parlament verurteilte den Übergriff. (Diljana Lambreva aus Sofia/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2008)

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