Mit "Filzgesicht" und Stadt-Spezies

25. September 2008, 19:38
10 Postings

Die Zeichnerin, Filmerin und Autorin Dusl präsentierte ihren Roman "Boboville", in dem sie durch das Wiener "Bobostan" führt

Vermutlich ist Andrea Dusl der letzte Mensch, der sich das Wort "Bobo" umhängen lässt, ohne dafür dem Umhänger Schläge anzudrohen: Wer lässt sich schon gerne in eine Schublade legen - erst recht, wenn man glaubt, den individualistischsten aller urbanen Lebensstile zu leben? Dass die Zeichnerin, Filmerin und Autorin Dusl aber dennoch in ihrem Roman "Boboville" (Residenz) als Ich-Erzählende "Bourgeoise Bohemienne" durch das Wiener "Bobostan" führt und das Leben von Art und Gattung zwischen Naschmarkt, Karmeliter- und Freihausviertel beschreibt, kommt dennoch nicht zu spät. Denn Dusl erzählt gut, witzig und bissig. Und sie verlässt die Welt, in der Aperol und Caffè Latte fließen, gern und häufig, um auf ihre Art auf Charaktere wie den "Chefkommentator des Kartoffeldruckblattes" (Armin Thurnher) oder den "Kanzleraspiranten mit dem Filzgesicht" (Wilhelm Molterer) zu treffen.

Und so betonte Dusl am Donnerstag bei der Buchpräsentation im "Schikaneder" (Freihausviertel) auch gleich mehrfach, dass "dieses Buch nicht erfunden, sondern nur geschrieben worden ist". Eine Frage konnte sie aber nicht beantworten: Die, ob es den Bobo überhaupt (noch) gibt. Denn nach den für die Spezies angeblich bezeichnenden Taschen aus alten Lkw-Planen suchte man hier, im Herzen "Bobostans", vergebens. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 26. September 2008)

  • Dusl im Freihausviertel, dem Herzen "Bobostans".
    foto: standard/thomas rottenberg

    Dusl im Freihausviertel, dem Herzen "Bobostans".

Share if you care.