
Leonard Cohen.
Wien - Eines seiner schönsten neuen Lieder kommt ohne Melodie aus, es steht in seinem Buch der Sehnsüchte. Es handelt sich dabei um eine Sammlung während eines fünfjährigen Aufenthalts in einem Zen-buddhistischen Kloster entstandener Gedichte, Lieder und Epigramme. Der Sweetest Little Song geht in voller Länge so: "Mach ruhig, was du willst/ Ich mach auch, was du willst." Schöner und gelassener lässt sich eine von der Last des Eros befreite späte Liebe nicht auf den Punkt bringen.
Beim ersten seiner zwei Konzerte fügte der 74-jährige Poet Leonard Cohen dennoch einige weitere wesentliche Notizen zu seinem großen Lebensthema hinzu. Wie heißt es etwa in The Future, dem fröhlichsten Weltuntergangsschlager der Musikgeschichte? Cohen brummt die hier enthaltene Paraphrase aus dem Johannes-Evangelium gleich am Beginn seines Auftritts mit Grabesstimme: "I've seen the nations rise and fall / I've heard their stories, heard them all / but love's the only engine of survival." Der Weise steigt mit nicht immer froher Botschaft herunter vom Berge. Aber er lässt sich die Laune deswegen nicht verderben.
Mit hervorragender Band, darunter Sängerin Sharon Robinson und der Bandurria-Spieler Javier Mas, tastet sich Cohen souverän und demütig durch sehr leise und behutsam interpretierte Stücke wie Take This Waltz, First We Take Manhattan, If It Be Your Will oder I Tried To Leave You.
Ein oft ergriffen auf die Knie gehender alter Sünder und Schwerenöter, eine gütige Vaterfigur, ein bärbeißig nach Leben gierender Lehrmeister, der sich über das eigene Vermögen zur pathetischen Pose heute vor seiner Gemeinde sichtlich amüsieren kann. Wir hören Ain't No Cure For Love und Who By Fire. Die für manche Träne der Rührung sorgende Anthem erklingt. So long, Marianne, und Suzanne sowieso.
"Leben ist eine Droge, die aufhört zu wirken" , meint Cohen im Buch der Sehnsüchte. Hier irrt der Meister möglicherweise. Darauf in der Garderobe dann einen alten Cognac. Hallelujah! (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2008)
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Nach den Postings hier bin ich froh, beim ersten Konzert gewesen zu sein – normalerweise ist ja bei Doppelkonzerten das "grass always greener on the other side", sprich: bei dem Konzert, das ich nicht gesehen habe.
Mit der Spontanität scheint's der Meister aber nicht so zu haben. Im "Rolling Stone" stand vorher etwas von einem 3-Stunden-Konzert mit 7 Zugaben – wie in Wien. Und wenn er dann als 5. Zugabe "Closing Time" singt, nur um nach kurzen Applaus zurückzukommen und "I Tried to Leave You" anzustimmen, ist das ein guter Gag, aber sicher geplant. Ebenso wie seine Ansage, dass er vor 14 Jahren zum letzten Mal auf Tour war: "I was 60 at that time – a child with a crazy dream" – steht genau so im Tourprogramm.
Trotzdem: wunderbares Konzert
Ein wunderbares Konzert (obwohl die 166 Euro Eintritt trotzdem Wucher sind).
Herrliche Interpretationen der Songs, gute Auswahl quer durch die ganze Karriere (obwohl jeder Cohen-Fan das eine oder andere Stück finden wird, das ihm fehlte; bei mir waren's z.B. "Joan of Arc" und "Avalanche"), großartige Musiker, und Cohen in bester Laune (und offensichtlich recht fit). "Thousand Kisses Deep" hab ich gar nicht erkannt, weil Sharon Robinson es so soulig gesungen hat, und "If It Be Your Will" von den Webb Sisters war ergreifend.
Gestört hat nur, dass der Meister nach jedem Solo das Lied unterbrochen hat, um den Musiker vorzustellen – am Ende des Songs oder die drei Mal, die er ohnehin die komplette Band vorgestellt hat, hätten auch gereicht.
liebe Freunde:
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Ein durch und durch magischer Abend - eine einzigartige Athmosphäre. Angefangen vom wärmsten Empfang eines Künstlers, den ich je erlebt habe, bis zum letzten Ton. Ich bin jetzt - drei Tage später - immer noch schubweise in dieser feierlichen Trance, in die uns der alte Weise geführt hat.
Hoffe sehr, der alte Schwerenöter ist so abgebrannt, der er gar nicht anders kann als demnächst die CD/DVD der Tour auf den Markt zu werfen ;-)
ich musste 47 jahre alt werden, um das beste konzert meines lebens besuchen zu dürfen. es kann nichts besseres mehr nachkommen nach diesem "gottesdienst" im phantastischem ambiente des konzerthauses, gemeinsam mit 2000 gleichgesinnten, die so wie ich mit leonard aufgewachsen sind. ich habe tags zuvor meiner tochter zuliebe madonna auf dersehen müssen - es war ekelerregend.
bei leonard cohen kämpfte ich drei stunden lang mit den tränen und hatte gänsehaut. diese erinnerung wird ewig und einen tag in meinem herzen sein.
ich war ja schon fast im 7. himmel, als sicher war, dass ich leonard cohen - einen meiner großen helden - doch noch live erleben darf, aber beim konzert am mittwoch war ich dann wirklich dort, und nachher (kurzfristig) sprachlos.
fantastische band, wunderbare background-/co-sängerinnen, die scheinbar speziell für cohen gemacht sind ... unter den berührendsten momenten die gänsehaut-version von "if it be your will" von den webb sisters.
der respekt vor musikern und publikum wäre auch erkennbar gewesen, ohne dass cohen ihn in worte fasst.
bei einigen liedern hatte ich den eindruck, dass er über die jahre erst/besser "hineingewachsen" ist in sie, als hätte ein jüngerer cohen sie für den älteren cohen geschrieben - falls das sinn ergibt.
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