LKH Gmunden: Zweiter Gutachter bestellt

25. September 2008, 19:21
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Gynäkologe Peter Husslein soll Frage eines möglichen Kunstfehlers klären

Linz - Peter Husslein, Vorstand der Uniklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien, wird zweiter Sachverständiger in der Causa Gmunden. In dem oberösterreichischen Landeskrankenhaus war am 2. September eine 42-Jährige nach der Geburt ihres vierten Sohnes verblutet. Die Untersuchung der Gebärmutter hatte ergeben, dass die Frau an den Folgen eines Gebärmutterrisses verblutet war, der augenscheinlich nur oberflächlich versorgt worden war.

Der Linzer Gerichtsmediziner Johann Haberl betonte nach der Obduktion, dass die Frage, ob die Patientin anders hätte behandelt werden müssen, von einem Gynäkologen zu prüfen sei. Und dieser wird Husslein sein, wie er dem Standard am Donnerstag bestätigte. Allerdings werde er die Gebärmutter nicht erneut obduzieren. "Es wird ein reines Aktengutachten. Es hatte bereits eine Obduktion gegeben. Eine neuerliche Untersuchung würde nichts bringen", ist Husslein überzeugt. Derzeit warte es noch auf die Übermittlung der Akten. "Sobald ich die habe, kann ich meine Arbeit aufnehmen. Ein Ergebnis wird es rasch geben, da es doch ein brisanter Fall ist. Innerhalb von einer Woche müsste das Gutachten fertig sein", so Husslein. Von der Expertise des Gynäkologen wird es letztlich abhängen, ob dem entlassenen Primar und dem suspendierten Oberarzt ein Kunstfehler angelastet wird.

Treffen mit Anwalt

Heute, Freitag, wird es auch zu einem ersten Gespräch zwischen dem Vöcklabrucker Anwalt des Witwers, Roland Schachinger, und den Spitzen des Spitalsbetreibers Gespag kommen. Angestrebt wird zumindest vonseiten des Anwalts eine außergerichtliche Einigung.

Offen ist derzeit noch das Ergebnis einer Landesprüfung von weiteren Krankenakten aus dem Landeskrankenhaus Gmunden. Zehn Fälle schwerer Entbindungen in Gmunden sollen genauer unter die Lupe genommen werden. Es gebe keinen konkreten Verdacht, man wolle nur sichergehen, dass es sich bei der aktuellen Affäre um einen Einzelfall handle, so die Begründung aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Silvia Stöger (SPÖ).

Das jetzt von offizieller Seite Akteneinsicht genommen wird, hat einen gut Grund. Sowohl der Primar als auch der behandelnde Oberarzt hatten nach dem Tod der Mutter die Krankenakte gefälscht. Konkret wurde nachträglich hinzugefügt, man hätte die 42-Jährige über die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts aufgeklärt. Die beiden Ärzte waren bis dato zu keiner Stellungnahme bereit. (Markus Rohrhofer/Kerstin Scheller, DER STANDARD - Printausgabe, 26. September 2008)

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