Ein nicht ganz spontaner Hilfeschrei

25. September 2008, 18:58
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Fünf Siege en suite ohne Gegentor - Austria Kärntens Coach Frenkie Schinkels könnte froh sein. Ist er aber nicht, weil als Sportdirektor auch für den Nachwuchs verantwortlich. Und der trainiert unter unzumutbaren Umständen.

Klagenfurt/Wien - Frenkie Schinkels, der quasi alte Frenkie Schinkels, hätte es am Mittwochabend nach dem 2:0 in Kapfenberg jubelmäßig krachen lassen. Schließlich rundete der Sieg beim Aufsteiger eine feine Serie zu fünf Erfolgen.

Kärntens Lauf hatte am 9. August mit einem 2:0 gegen Mattersburg begonnen. Es folgten ein 3:0 in Altach, ein 1:0 gegen Salzburg sowie ein 6:0 gegen Kapfenberg. Nur das Cup-Aus im Elferschießen gegen Ried kam dazwischen. Geschenkt, in der Liga ist man nun sogar schon sechs Spiele ohne Gegentor. Und die unmittelbare Zukunft nimmt sich prächtig aus. Am Samstag kommt Spitzenreiter Austria Wien in die Arena am Wörthersee. Ein ausverkauftes Haus, also rund 30.000 Zuseher, wäre da keine Sensation.

Existenzfrage

All das führte Schinkels in Kapfenberg aber nicht an. Der 45-Jährige schob den Coach beiseite und ließ den Sportdirektor über unhaltbare Zustände in der Kärntner Nachwuchsarbeit wettern. Die Jugend habe keine Plätze zur Verfügung, die Trainingsbedingungen seien erbärmlich. Auf die Dauer könne der Klub so nicht existieren. Zum Spiel wollte der Sportdirektor nichts sagen. Auch der Coach schwieg.

Am Donnerstag gestand Schinkels, dass seine Klage nicht spontan kam. "Ich kann ja nur einen Hilfeschrei machen. Jetzt haben wir Erfolg, vielleicht werde ich besser gehört." Tatsache ist, dass der Neubau des Klagenfurter Stadions die sportliche Infrastruktur verwüstet hat. Die vom FC Kärnten übernommene Akademie hat keine Trainingsmöglichkeiten mehr beim Stadion, "die Jungs müssen in den Bus steigen, fahren irgendwohin trainieren, steigen schwitzend wieder ein und fahren zurück. So geht das nicht", sagt Schinkels.

"So geht das nicht", sagt auch Präsident Mario Canori. Die Schuld liege aber bei der Stadt Klagenfurt. Es existierten klare Vereinbarungen, dass nach der EURO die sportliche Infrastruktur, also auch Trainingsplätze, wiederhergestellt würde. "Wir zahlen pro Jahr 300.000 Euro für die Benützung des Geländes. Da gehören aber die Trainingsplätze dazu."

Schon wahr, sagt Adolf Krumpl, der Sprecher von VP-Bürgermeister Harald Scheucher. Und es werde auch sofort mit der Wiederherstellung zweier Trainingsplätze begonnen. Krumpl findet, dass ohnehin alles sehr flott vorangeht. "Erst musste Einigkeit herrschen, wie es mit dem Stadion weitergeht. Jetzt ist klar, dass auf 22.000 Plätze zurückgebaut wird." Der Verein müsse sich noch entscheiden, ob im Stadion ein Kunst- oder ein Naturrasen liegen soll. "Sportdirektor Schinkels will Kunstrasen, Trainer Schinkels will Naturrasen", sagt Krumpl. Die Stadt würde einen Kunstrasen präferieren.

Schinkels, nicht Trottel

Schinkels ist nicht ganz so aufgeregt, wie er am Mittwoch gewirkt hat. Auch sein erfolgreiches Team warnt er vor zu großer Aufgeregtheit. "Wir haben unsere Erfolge mit Leidenschaft, Ehrlichkeit und Respekt erreicht. Wir müssen weiter schön am Boden bleiben."

Qualität kommt derzeit von auswärts in die Mannschaft - wie der Brasilianer Schumacher von Udinese, der sich gegen Kapfenberg als Torschütze vorgestellt hat. "Wir haben sieben Spieler um insgesamt 107.000 Euro geholt. Der Tchoyi hat Salzburg alleine zweieinhalb Millionen gekostet", sagt Schinkels. Freilich ist etwa Schumacher nur geliehen. "Aber wir haben eine Option auf ihn. Weil ich heiße Schinkels, nicht Trottel." (Sigi Lützow; DER STANDARD Printausgabe 26. September 2008)

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    "Wir haben sieben Spieler um insgesamt 107.000 Euro geholt. Der Tchoyi hat Salzburg alleine zweieinhalb Millionen gekostet."

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