Premier Taro Aso

25. September 2008, 19:01
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Blaublütig, reich, katholisch und kämpferisch

Japans neuer Premier liest japanische Manga-Comics, trägt Maßanzüge und ist einer der reichsten Politiker des Landes. Hauptaufgabe von Taro Aso ist es, für die regierenden Liberaldemokraten (LDP) vorgezogene Parlamentswahlen zu gewinnen. Seit Wochen hat der drahtige 67-Jährige keinen Zweifel daran gelassen, dass er sich fit für den Job fühlt.

Das musste Aso wohl immer wieder laut sagen. Denn seine Partei sah das in seinen bisher drei Anläufen auf die Spitzenposition anders. Zu groß war die Angst, dass er das Land durch seine offen geäußerte nationalistische Gesinnung, sein loses Mundwerk und seine Familiengeschichte in Verruf bringe.

2003 verärgerte er die koreanischen Nachbarn, als er die Errungenschaften der japanischen Kolonisierung Koreas pries. Im Vorjahr sorgte er in den USA mit der Aussage für Kopfschütteln, dass man US-Diplomaten im Nahen Osten niemals vertrauen würde, weil sie blonde Haare und blaue Augen hätten. Und bis heute windet er sich um eine eindeutige Stellungnahme, wie er zu zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den Bergwerken seiner Familie im Zweiten Weltkrieg steht.

Doch diesmal konnte die Partei nicht mehr Nein sagen. "Die LDP-Führung hat sich mangels Alternativen gefügt", ätzt ein Beobachter. Abgesehen von seiner Gesinnung ist Aso für viele Japaner aufgrund seines Stammbaumes vielleicht der beste Kandidat seit langem. Die Familie ist so angesehen, dass Taros Schwester Nobuko den Prinzen Tomohito von Mikasa heiraten durfte, einen Cousin des Kaisers. Sein Ururgroßvater ist Toshimichi Okubo, einer der drei Adligen, die die Meiji-Restauration leiteten. Asos Großvater mütterlicherseits ist wiederum der frühere Premier Shigeru Yoshida.

Die Asos sind bereits in der vierten Generation Katholiken. Von Japans 127 Millionen Einwohnern gehören nur rund 450.000 der römisch-katholischen Kirche an. Taro Aso ist nach Katayama Tetsu (1947/48) erst der zweite christliche Premier des Landes.

Aso hat unter anderem in den USA (Stanford) studiert und das familiäre Zementwerk geleitet, bevor er 1979 in die Politik ging. Unter Premier Junichiro Koizumi war er ab 2003 Innen-, dann Außenminister. 2007 wurde er erstmals LDP-Generalsekretär, dann erneut im August 2008. Sein Problem: Er hat keine große Machtbasis in seiner Partei. Seine Stärke: Kampfgeist. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal vertrat er Japan als Pistolenschütze. (Martin Koelling/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2008)

 

 

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    Der neue Premier Taro Aso kommt aus einer der ersten Familien Japans.

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