Es rappelt im Karton: "03/07 - 09/07" und "High Places"

25. September 2008, 18:45
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Das New Yorker Duo High Places räumt mit fröhlich-niedlichem Laptop-Geklapper, Schmirgelpapier und Bratpfanne seine Rumpelkammer auf

Wie das rasselt, brummt und freundlich scheppert. Wenn es nicht gerade blubbert oder leise fiept. Die unaufdringlichste, weil sensationsloseste Blog-Sensation seit der Erfindung von Web 3.0: Das in Brooklyn ansässige Duo High Places baut in seinem kargen Niedlichkeitspop aus dem Heimstudio auf allerlei perkussives Geklapper, verstolperte Elektronik aus der Rumpelkammer und schlanken, nebelverhangenen Gesang. Viel mehr muss nicht passieren.

Seit gut zwei Jahren basteln Sängerin Mary Pearson und Multiinstrumentalist Rob Barber so an ihren psychedelisch verhuschten Grüßen aus dem Kaleidoskop. Da wird jedes Becken, jede Trommel und jede Bratpfanne, jeder Plastikkübel und ein gerade unter dem Bett gefundenes Schmirgelpapier zur Klangproduktion herangezogen. Nachträglich wird das Ganze dann am Computer fein säuberlich geordnet, arrangiert und zu einem vielstimmig bimmelnden Rhythmusgerüst geschichtet. Darüber gurrt, haucht und sprechsingt Pearson, fingerdick mit Echo und Hall beladen, Geschichten über Hauskatzen, Abzählreime, die Natur und, warum auch nicht, Marsmenschen.

Bei so viel Willen zur ausgestellten Naivität und Beschränkung in den Mitteln drängen sich naheliegende Bands aus der Referenzkiste als Schwestern im Geiste auf: Beat Happening beispielsweise, die schon seit den 1980ern von Olympia, Washington, aus in minimalistisch rumpelnden Popsongs die Niedlichkeit als Punkhaltung neu deuten. Oder das Waliser Trio Young Marble Giants, deren einziges, tatsächlich kolossales Album Colossal Youth aus dem Jahr 1980 mit seinen monoton-melancholischen Songminiaturen bis heute Legionen höflicher Indiepopper nachhaltig beeinflusst.

Im Hier und Jetzt passen High Places dabei freilich bequem in die New-York-Schublade mit Acts wie Gang Gang Dance oder Animal Collective, bei denen ebenso mühelos zuckende Elektronik, Folk und Psychedelik, Primitivismus und Technik zusammenfinden. Wenngleich High Places die entschlackte Variante ohne Daueroriginalität des Typus Hippie-trifft-Beatbox darstellen. Simple Popmusik für ein neues Jahrtausend!

Nach der Singles-Collection 03/07 - 09/07 vergräbt auch das aktuelle, selbstbetitelte Debütalbum der Band unter oberflächlicher Ereignislosigkeit eine kleine Wundertüte voller Ideen. Hier treffen sich unterschwellige Maschinen-Funkyness, Schrottplatz-Calypso und wie von einem Sonnenblumenfeld aus über eine schlechte Telefonleitung eingespielte Beats der Marke Lo-Fi-Timbaland. Pearson singt Gutenachtlieder aus einer anderen Dimension, und nach 30 Minuten ist dann - zack! - auch schon wieder Schluss; man muss ein bewusst reduziert angelegtes Projekt auch auf der Zeitleiste nicht überdehnen. So einfach kann das sein. (Philipp L'Heritier / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2008)

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    foto: trost
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