Dreimal A zur Zombiezeit: "Vote Zombie Andy Beuyz"

26. September 2008, 12:16
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Showcase Beat Le Mot geistern im Wiener brut im Künstlerhaus

Wien - In ein Geisterhaus lockt die Hamburger Performancegruppe Showcase Beat Le Mot ihr Publikum mit Vote Zombie Andy Beuyz. Die Theaterschale für diese Zusammenarbeit mit der portugiesischen Choreografin Angela Guerreiro bietet brut (bis Samstag) im Rahmen des Schwerpunkts "Kingdom of Darkness: Geister, Tote, Wiedergänger" .

Die Geister sind hier die Spieler selbst, die rund um das mit viel symbolischem Gerümpel vollgeräumte Gestell ihres "haunted house" schleichen, tanzen und scheppern. Die Toten sind Warhol und Beuys, und der Wiedergänger ist, klar, das Theater selbst.

Das Publikum wird in der Performance sanft umschlungen und zugleich sich selbst überlassen. Es könnte auch weniger brav sein. Also nicht sitzend Saft, Brote und Schokodips verzehren, sondern das Gerümpel umräumen. Doch es hat noch zu viel Respekt vor dem Gegebenen. Die Performer wissen das zu schätzen.

Aber eines Tages wird der scheue Zuschauer seinen Barthes abwandeln und "Tod dem Autor" skandieren. Und dann wird der Poltergeist richtig los sein im derzeit so schnuckeligen Theater. Die Hamburger jedenfalls fingern fleißig an dieser Pandorabüchse. Mit viel Liebe zum Detail schaffen sie eine dicht möblierte Leerstelle, die Platz macht für den Sloterdijk'schen "Weltinnenraum des Kapitals" . Das Publikum hört und liest Texte, sieht Bilder und sieht sich assoziativ in jene Geisterbahn außerhalb des Theaters versetzt: die Geldvernichtungsmaschine der Börsianer, die Elendsindustrie der Global Players und das Politainment jedweden Wahltheaters.

Der Genuss bei Vote Zombie Andy Beuyz liegt im schönen Terzett der großen Kunst-As der Gegenwart: Ambivalenz (der Gefühle), Ambiguität (der Botschaft) und Anachronismus (der Situation). (Helmut Ploebst / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2008)

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