Konsumenten in Streiklaune

25. September 2008, 17:32
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Handel und Tourismus merken den Sparkurs, den Konsumenten wegen Konjunkturflaute und Preisexplosion fahren

Wien - Konjunkturflaute und Preisexplosion machen den Österreichern zusehends zu schaffen. Der heimische Einzelhandel hat im ersten Halbjahr bereits ein inflationsbereinigtes Minus verzeichnet. In den Bereichen Spiele, Bücher und Schuhe kauften die Konsumenten sogar um fünf Prozent weniger ein.

Mit den Jubelmeldungen, die Touristiker in den vergangenen Jahren laufend ausgesandt hatten, dürfte es auch bald vorbei sein: Die Teuerungswelle und höhere Kerosinzuschläge veranlassen die Urlauber, weniger fortzufahren beziehungsweise billiger zu reisen, warnt der Geschäftsführer der Buchungsplattform Amadeus Austria, Wilfried Kropp. Er rechnet heuer mit einem Buchungsrückgang zwischen vier und fünf Prozent. Der Obmann des Fachverbandes der Reisebüros, Edward Gordon, erwartet eher das Umsteigen auf billigere Alternativen.

Der Rückgang der Konjunktur macht sich immer stärker auch im Kreditgeschäft der Banken bemerkbar. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte, ging das Wachstum der Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte in der Währungsunion im August erneut zurück.

Analysten werteten dies als Zeichen für eine moderate Verschärfung der Kreditkonditionen wegen der Finanzkrise. "Bisher gibt es weiterhin keine Anzeichen für eine Kreditklemme", meint Michael Schubert von der Commerzbank. Vor allem die Unternehmen hätten aber bereits begonnen, ihren Kreditbedarf wegen der sich weiter verdüsternden Wirtschaftsaussichten herunterzuschrauben, sagt Howard Archer vom Analysehaus Global Insight.

Allerdings ist das Wachstum der Kreditvergabe nach wie vor beachtlich. Die Firmen liehen im August auf Jahresbasis 12,6 Prozent nach 13,1 Prozent im Juli aus. Bei Krediten für Immobilienkäufe der Haushalte ging die Steigerung deutlicher auf 4,1 Prozent zurück. Hier machten sich, so Howard Archer, vor allem die schwächelnden Immobilienmärkte in Irland und Spanien bemerkbar.

Auch insgesamt ging das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 im August erneut leicht zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg M3 nach Berechnungen der Zentralbank bereinigt nur noch um 8,8 Prozent nach revidiert 9,1 Prozent im Juli. Analysten hatten im Schnitt mit einer Zunahme von 9,0 Prozent gerechnet. Die Vergabe von Buchkrediten an den privaten Sektor stieg alles in allem noch um 8,8 (Juli: 9,4) Prozent. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2008)

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