Was aus den Vorsätzen nach dem Fall Luca wurde

25. September 2008, 17:28
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Leichte Personalaufstockung, Arbeit an einheitlicher Jugendwohlfahrt, aber keine verschärfte Anzeigepflicht

Wien - Anlässlich des Todes des 17 Monate alten Luca kamen von Politikern viele Verbesserungsvorschläge im Umgang mit möglichen Misshandlungsfällen. Doch was wurde umgesetzt?

* Der Fall Luca und der Fall Amstetten gaben für Justizministerin Maria Berger (SPÖ) den Anstoß, eine Anzeigepflicht für Menschen, die mit dem Wohlergehen von Minderjährigen beschäftigt sind, einzuführen. Doch der Plan stieß bei Experten auf Widerstand - auch noch, nachdem die Anzeigepflicht im Entwurf zum Gewaltschutzpaket auf die Jugendwohlfahrt beschränkt wurde. Ergebnis: keine verschärfte Anzeigepflicht.

* Familienministerin Andrea Kdolsky (VP) kündigte eine Novellierung des Jugendwohlfahrtsgesetzes an. Im Februar gab es dazu eine Enquete. "Im Oktober geht die Vorlage in Begutachtung" , heißt es aus Kdolskys Büro. Kernpunkte sind die Stärkung der Prävention und eine bundesweite Vereinheitlichung der Standards der Jugendwohlfahrt.

* Bei Niederösterreichs Jugendwohlfahrt ist laut Soziallandesrätin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) einiges nachgebessert worden. Sozialarbeiter müssen bei möglicher Gefährdung eines Kindes nun immer zu zweit Familiengespräche führen. Wechselt die Zuständigkeit der Behörde zu einer anderen, muss die bisher betreuende Einrichtung den Fall weiter verfolgen. Die personelle Aufstockung um neun Posten in der Jugendwohlfahrt ist Heinisch-Hosek zu wenig. "Es sollten noch zehn Sozialarbeiter mehr sein" , meint sie. Die Zahl der Verdachtsfälle sei gestiegen.

* Die Jugendwohlfahrt Tirol hat sämtliche Unterlagen Luca betreffend an die Staatsanwaltschaft Innsbruck geschickt. Ob Anklage gegen die in dem Fall zuständigen Jugendwohlfahrten Schwaz und Mödling erhoben wird, ist noch unklar. "In etwa einem Monat sollten die Vorerhebungen beendet sein" , so Staatsanwalt Rudolf Koll. Weiters wurden fünf zusätzliche Sozialarbeiter beim Land angestellt. "Sollten die Fallzahlen weiter zunehmen, brauchen wir noch mehr" , heißt es von der Jugendwohlfahrt Tirol. Zudem werde nun die Gerichtsmedizin sofort bei Verdacht auf Misshandlung zugezogen: Verletzungen müssten vor dem Tod erkannt werden. Außerdem gibt es für Kindergärtnerinnen spezielle Seminare. (bri, spri, ver, DER STANDARD - Printausgabe, 26. September 2008)

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