Erhebung: Billig fliegen kann teuer werden

25. September 2008, 17:09
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Wer günstig in eine andere Stadt jetten will, soll sich nicht auf Billig-Airlines verlassen. Vor allem bei Zusatzgebührten langen Low-Cost-Carrier kräftig zu, sagen Konsumentenschützer

Wien - Mit einem Low-Cost-Carrier unterwegs sein heißt nicht automatisch billig fliegen. Abhängig vom Buchungszeitraum, vom mitgenommenen Gepäck und sonstigen individuellen Vorlieben kann Fliegen mit einer sogenannten Billiglinie sogar sehr teuer werden. Darauf hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Donnerstag bei der Präsentation der Oktobernummer des Magazins Konsument hingewiesen.

Der VKI hat über mehrere Monate Preise verglichen, die Airlines wie British Airways, AUA, Ryanair, Easyjet und Skyeurope auf der Strecke Wien-London bzw. Bratislava- London verlangen. Zwei Termine wurden dafür definiert: einer Mitte Juni und der zweite Ende Juli 2008. Die Annahme war, dass jeweils eine erwachsene Person mit einem aufgegebenen Gepäckstück unterwegs ist.
"Generell lässt sich sagen: je später gebucht wird, desto teurer wird es", sagte VKI-Geschäftsführer Franz Floss. Auf Last-Minute-Angebote könnten sich Reisende nicht verlassen. Floss: "Billige Tickets kurz vorm Abflug sind die Ausnahme."

Wer bereits im Februar, also gut vier Monate vor Abflug, gebucht hatte, musste für den Flug nach London bei den Billigfliegern rund 100 Euro zahlen, bei AUA und British Airways zwischen 150 und 200 Euro. Rund einen Monat vor Abflug kosteten Flugtickets bei den Low-Cost-Carriern 100 bis 200 Euro, bei British Airways 200 und bei der AUA bis zu 300 Euro.

"Richtiggehend in die Höhe geschnellt sind die Preise dann ein bis zwei Wochen vor dem jeweiligen Reiseantritt" , sagte Floss. "Zwischen 200 und 400 Euro kostete das Ticket bei den Billigfliegern, 400 bis 800 Euro bei den traditionellen Airlines." Je näher das Abflugdatum, desto geringer sei die Auswahl an Flügen. Kerosinzuschläge, die von allen Fluggesellschaften eingehoben werden, sind in den vom VKI erhobenen Preisen schon inkludiert.

Nicht enthalten sind allerdings Extragebühren für Gepäcktransport, Reservierung oder Zahlung mit Kreditkarte. Während bei Linienfluggesellschaft Dienstleistungen dieser Art meist im Flugpreis inkludiert sind, seien Billigflieger erfindungsreich, was Zuschläge betreffe. "Allein in unserem Erhebungszeitraum von Februar bis Juli haben Ryanair & Co etwa die Kreditkartengebühren bis zu dreimal und die Gepäckgebühren bis zu zweimal erhöht", sagte Projektleiterin Silvia Doppler.

Bei Billigfliegern sei in den meisten Fällen nur mehr das Handgepäck gratis. Jedes aufgegebene Gepäckstück koste extra - im Durchschnitt zehn Euro je Gepäckstück, aber auch nur, wenn online gebucht wird. Noch teurer wird es laut VKI-Test für all jene, die erst beim Check-in für die Gepäckaufgabe zahlen. Wer nicht elektronisch, sondern am Flughafenschalter eincheckt, muss bei Ryanair zusätzlich fünf Euro auslegen.

Die Experten des VKI raten, bei der Suche nach dem günstigsten Flug viele Anbieter einzubeziehen und Flugsuchmaschinen zu konsultieren. Wer die zwei, drei Stunden an Zeit, die dafür aufzuwenden seien, nicht habe, sollte im nächsten Reisebüro vorbeischauen.

Linie oft billiger als Low-Cost-Carrier

Auch der ÖAMTC rät zu einem genauen Studium der Flugpreise. Der Autofahrerklub hat diverse Online-Angebote von Linien- und Billigfliegern analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass traditionelle Airlines zum Teil bessere Preise bieten als Low-Cost-Carrier. "Man sollte bei den Angeboten auf Buchungsgebühren, kostenpflichtiges Gepäck oder fix mitgebuchte Reiseversicherungen achten", sagte Silvie Bergant von der ÖAMTC-Touristik. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2008)

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