Christian Schad im Leopold Museum

25. September 2008, 16:53
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Retrospektive von Dada zur Neuen Sachlichkeit

Wien - Dada und Pop Art, Realismus und Neue Sachlichkeit, Kubismus und Expressionismus, Malerei und Zeichnung, experimentelle Fotografie, Holzschnitt und Collage: Die neue Ausstellung des Leopold Museums  widmet sich dem Künstler  Christian Schad (1894-1982). "Diese Ausstellung erzählt die Geschichte eines langen künstlerischen Lebens, das fast das gesamte 20. Jahrhundert umfasste", erläuterte Michael Fuhr, der zusammen mit Museumsgründer und -leiter Rudolf Leopold diese erste große Schad-Retrospektive in Österreich kuratierte. Dass Christian Schad ein "unglaublich vielseitiger Künstler" (Leopold) war, erschließt sich. Die 130 gezeigten Werke (die Mehrzahl stammt von der Christian und Bettina Schad-Stiftung Aschaffenburg) belegen nicht nur seinen Ruhm als deutschen Hauptvertreter der "Neuen Sachlichkeit", sondern zeigen auch, dass Schads Experimentierfreude niemals auf Kosten der Qualität ging.

Magischer Realismus

Seine  "Schadographien", abstrakte Fotografien von surrealen Objekt-Arrangements auf lichtempfindlichem Papier, sind hier mitsamt den dabei verwendeten Materialien ebenso zu sehen wie eine Vielzahl seiner faszinierenden Porträts. Sein vielleicht bekanntestes Hauptwerk im Stil der "Neuen Sachlichkeit", das auch das Ausstellungsplakat zierende und sonst in der Tate Gallery hängende "Selbstbildnis mit Modell" wurde 1927 anlässlich eines zweijährigen Wien-Aufenthalts gemalt. Dank reicher Eltern konnte Schad über eine geräumige Atelierwohnung am Graben verfügen. Der Hintergrund zeige allerdings eine Pariser Dachlandschaft, schilderte Fuhr. Wie in diesem Gemälde zeigen auch etliche andere Bilder ein raffiniertes Spiel zwischen Ver- und Enthüllung. Auftraggeber die keine nackten Frauen auf ihren Bildern wollten, bekamen diese angezogen gemalt - bedeckt von hauchzarten, transparenten Blusen: "magischer Realismus" mit Sogwirkung.

Einiges ist in der Schau, zu der 31 Leihgeber beigetragen haben und die danach im Gemeentemuseum Den Haag zu sehen sein wird, zu entdecken: Zeichnungen zu Walter Serners Kriminalgeschichten etwa, die an Otto Dix und George Grosz erinnern, Collagen, die an Max Ernst denken lassen, Grafik-Experimente, die ihre Beeinflussung durch die Pop Art nicht verleugnen können. Mit  Werken von Zeitgenossen wie Max Beckmann, Jean Cocteau, Otto Dix, George Grosz oder László Moholy-Nagy zeigt die  Ausstellung Schads Werk auch im Kontext seiner Zeit sowie seine Vorbildwirkung auf andere Künstler: Denn so wie Schad Anregungen von überall bezogen hat, hat sein Schaffen auch ausgestrahlt.

Für den kaufmännischen Direktor Peter Weinhäupl ist die Schau eine "ideale Ergänzung" zu den bisher im Leopold Museum gezeigten Ausstellungen der 1920er und 30er Jahre und unterstreicht seine Kompetenz in Sachen Klassischer Moderne. Von der nächsten Regierung wünscht er sich, "dass man diese museologischen Leistungen endlich auch finanziell anerkennt. Wir spielen in der ersten Liga der österreichischen Museen, aber budgetmäßig die letzte Geige." (APA)

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