"Shenzhou 7" sicher gelandet

28. September 2008, 08:45
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Chinesisches Raumschiff schwebte an einem Fallschirm in der Inneren Mongolei zu Boden - alle drei Taikonauten sind wohlauf - Triumphaler Empfang in Peking

Peking - Das chinesische Raumschiff "Shenzhou 7" ist am Sonntag zur Erde zurückgekehrt. Nach ihrem dreitägigen Flug landeten die drei Astronauten in der Inneren Mongolei im Norden Chinas. Das chinesische Fernsehen zeigte Live-Bilder der schwebenden Kapsel an einem großen Fallschirm, bevor sie in der Nähe des geplanten Landeplatzes aufsetzte. Das Raumschiff habe den gefährlichen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gut überstanden, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Auch seien die Astronauten bei guter Gesundheit.

Triumph-Fahrt in Peking

Die drei Astronauten sind nach der Rückkehr von ihrem historischen Raumflug inzwischen in Peking triumphal empfangen worden. Das staatliche Fernsehen CCTV zeigte am Montag, wie Hunderte von Schaulustigen den Raumfahrern zujubelten, als sie langsam durch die Hauptstadt gefahren wurden. "Lernt von den Astronauten und salutiert den Astronauten", riefen sie.

Nach dem erfolgreichen ersten Weltraumspaziergang eines chinesischen Astronauten am Samstag hatte das Trio zur Vorbereitung künftiger Andockmanöver noch einen kleinen, 40 Kilogramm schweren Beobachtungssatelliten ausgesetzt.

Ein Feueralarm im Orbiter sorgte während des Raumspaziergangs von Kommandant Zhai Zhigang für einige Aufregung, wie die Bodenkontrolle enthüllte. Ursache sei die Fehlermeldung eines Sensors gewesen, berichtete ein Sprecher des Raumfahrtprogramms, Wang Zhaoyao. "Wir waren ziemlich nervös, als der Astronaut in der Rückkehrkapsel den Feueralarm berichtete." Doch hat sich die Aufregung nach seinen Angaben sofort gelegt, als klar wurde, dass der Alarm aus dem Orbiter kam, in dem gar kein Feuer ausbrechen konnte, weil er während des Ausflugs ins All keinen Sauerstoff enthielt und in einem Vakuum war.

Weltraumspaziergang

"Ich fühle mich gut", sagte Kommandeur Zhai Zhigang nach dem Ausstieg aus dem Raumschiff "Shenzhou 7" in 343 Kilometer Höhe über der Erde. "Ich grüße von hier das chinesische Volk und die Menschen in aller Welt." Sein Kollege Liu Boming reichte ihm aus der Luke eine rote chinesische Nationalflagge, die der Astronaut vor der Kamera schwenkte, während das chinesische Milliardenvolk die Live-Übertragung im Fernsehen verfolgte. Präsident Hu Jintao gratulierte Zhai direkt nach seinem Außeneinsatz und sprach von einem Triumph. "Bitte machen Sie sich keine Sorgen, Vorsitzender Hu und Volk von China", erklärte der 41-jährige Taikonaut selbst.

Auch wenn der Ausflug ins All bereits der 298. Weltraumspaziergang eines Astronauten seit 1965 war, ist das Manöver ein Meilenstein in dem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm des größten Entwicklungslandes der Erde. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Olympischen Spiele sah die kommunistische Propaganda in dem Manöver vier Tage vor dem Nationalfeiertag einen Grund mehr "für den Stolz und die Freude des Volkes". Es sei ein Beweis für die "fortschrittlichen technischen Fähigkeiten der Nation", kommentierte das Parteiorgan "Renmin Ribao" (Volkszeitung). Der "kleine Schritt" des Spaziergängers im All sei "ein historischer Sprung in den chinesischen Raumfahrtträumen".

"Nachzügler" im All

Auch wenn ein Chinese jetzt "einen Fußabdruck im Universum" hinterlassen habe, dürfe gleichwohl der Abstand zu den USA und Russland aber nicht übersehen werden, mahnte das Parteiorgan zur Besonnenheit. China sei ein "Nachzügler" im All und stehe erst am Anfang seines Raumprogrammes. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao verfolgte das Manöver vom Kontrollzentrum in Peking aus, wo Applaus ausbrach, als Zhai Zhigang um 16.44 Uhr Ortszeit (10.44 Uhr MESZ) das Raumschiff verließ. Er testete den Raumanzug "Feitian", der nach amtlichen Angaben eine chinesische Eigenentwicklung sein soll.

Der Raumanzug ist nach einer buddhistischen Göttin benannt, sein Name kann mit "am Himmel fliegen" übersetzt werden. Sein Kollege Liu Boming, der nur einmal halb aus der Luke herauskam, trug dagegen das russische Modell "Orlan". Er assistierte seinem Kollegen, hätte ihm aber auch im Notfall zu Hilfe kommen können. Kommandeur Zhai Zhigang sammelte bei seinem kurzen Ausflug ins All einige Materialproben ein, die außen am Raumschiff angebracht waren. Kommentatoren im Staatsfernsehen sprachen begeistert von einem "Bilderbuch-Spaziergang" und einem "atemberaubenden Moment".

Vor der Rückkehr von "Shenzhou 7" zur Erde probierte die Bodenkontrolle mit dem ausgesetzten Satelliten noch aus, wie zwei Himmelskörper dicht beieinander kontrolliert werden können. Es wurden auch Tests zur besseren Datenkommunikation über das Netzwerk von Satelliten und Beobachtungsstationen ausgeführt. Es war das erste Mal, dass China einen Satelliten von einem Raumschiff aus in eine Umlaufbahn gebracht hat. Der mit Kameras und Kommunikationsausrüstung ausgestattete Satellit soll bei künftigen Raumflügen helfen, Daten weiterzugeben und Andockmanöver zu verfolgen.  (APA/dpa/red)

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    Die drei Astronauten sind nach der Rückkehr von ihrem historischen Raumflug bei ihrer Triumphfahrt in Peking begeistert bejubelt worden.

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    Die "Shenzhou 7"-Kapsel ist auf der Erde zurück

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    Prestigeträchtiger Weltraumspaziergang geglückt: Zhai Zhigang winkte den Zuschauern auf der Erde...

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    ...und schwenkte die chinesische Fahne.

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