Vodafone will Marke Arcor noch nicht so bald aufgeben

25. September 2008, 15:03
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Marke soll fortgeführt werden, solange sie beim Wachstum weiterhilft

Der Telekommunikationskonzern Vodafone will in Deutschland vorerst weiterhin mit der Festnetzmarke Arcor auf Kundenfang gehen. "Solange uns die Marke beim Wachstum weiterhilft, machen wir sie", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen auf einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung am Mittwochabend in Düsseldorf. Noch gewinne Vodafone mehr als die Hälfte seiner Neukunden über Arcor, der Anteil sei aber zurückgegangen. Mittelfristig will Joussen den Marktanteil im DSL-Geschäft auf mindestens 20 Prozent von derzeit rund 14 Prozent steigern.

Kein Masterplan

Joussen sagte, dass das Aus die Festnetz-Marke "im ersten Quartal (2009) garantiert nicht" ereilen werde, weil zu Jahresbeginn die meisten DSL-Verträge gewonnen würden. "Ich kann nicht zulassen, dass ich dadurch Marktanteil verliere." Danach müsse man sehen, sagte Joussen. Er habe aber keinen "Masterplan". In einem ersten Schritt würden 50 der 200 ehemaligen Arcor-Shops in Vodafone-Shops umgewandelt.

Im Mai Anteile übernommen

Vodafone hatte im Mai auch die bis dahin von der Deutschen Bahn und der Deutschen Bank gehaltenen Anteile an Arcor für 474 Millionen Euro übernommen. Damit wandeln sich die Düsseldorfer zum Komplettanbieter von Mobilfunk, Festnetz und Internet mit einem Umsatz von zehn Milliarden Euro und rund 15.000 Mitarbeitern.

Synergien sieht Joussen in der Zusammenlegung der Netze und bei der Kundenbetreuung. Der Manager bekräftigte, dass keine Standorte geschlossen würden und es auch keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.

DSL aufs Land bringen

Kritik übte Joussen am schleppenden Vergabeprozess für die Funkfrequenzen, die mit der Digitalisierung des Fernsehrundfunks frei werden. Joussen hätte gerne einen Teil dieser "Digitalen Dividende", um damit ländliche Gebiete mit DSL zu versorgen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wollen die Frequenzen aber weiter für sich beanspruchen.

"Ich würde die Frequenzen zur Versteigerung bringen", schlug Joussen vor. Damit könnten auch Versorgungspflichten verbunden sein. Auch ein Mindestpreis könne festgesetzt werden. "Ich bin mir sicher, dass die Deutsche Telekom bei einer Versteigerung dabei wäre und wir auch." Doch sei wenig Bewegung in der Politik erkennbar. Ein Problem sei, dass die Frequenzen den Ländern gehörten, der Erlös bei einer Versteigerung aber dem Bund zufließen würde. Deshalb müsse ein Ausgleich geschaffen werden. (Reuters)

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