Europas Handball ringt um Reform

25. September 2008, 13:53
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Ungelöste Finanz- und Terminfragen beschäftigen EHF-Kongress in Wien

Wien - Auf dem schmalen Grat zwischen Konsens und Konfrontation will sich Europas Handball reformieren und so für die Zukunft fit machen. Der Kongress der Europäischen Handball-Föderation (EHF) am Freitag und Samstag in Wien mit Vertretern aller 49 Mitgliedsverbände ist vollgepackt mit brisanten Themen. Diese reichen von Satzungsänderungen über die Umgestaltung des Wettkampf-Kalenders bis hin zur Neuaufteilung der Finanzen. Zudem steht die Neuwahl des vom Norweger Tor Lian geführten Präsidiums auf dem Programm.

Vor allem die angestrebten Umwälzungen im Wettkampf-Kalender bergen Konfliktstoff. Der Antrag der EHF-Exekutive sieht vor, Männer-Europameisterschaften von 2011 an in ungeraden statt geraden Jahren auszurichten. Dies würde mit Weltmeisterschaften kollidieren, auch wenn wie beantragt eine Verlegung der EM vom Jänner in den Mai/Juni oder September Mehrheiten findet. Hintergrund ist, dass Ligen aus großen Ländern im Winter durchspielen wollen.

Der Weltverband IHF hat es bisher aber kategorisch abgelehnt, von seinen WM-Terminen Ende Jänner/Anfang Februar in ungeraden Jahren abzurücken. Für die EM 2011 oder 2012, die erste nach der EM 2010 in Österreich, bewerben sich Weltmeister Deutschland, Olympiasieger Frankreich und Serbien.

"Ich halte eine Verlegung der EM in die ungeraden Jahre für unwahrscheinlich, wenn nicht parallel eine Regelung in der IHF erfolgt", sagte Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Im schlimmsten Fall würde es dann 2011 eine WM und eine EM geben, 2012 Olympische Spiele, 2013 wieder WM und EM und zu guter Letzt 2014 keine Meisterschaft, ehe der Zyklus 2015 von vorne beginnt. "Das kann nicht der Gedanke sein", stellte der DHB-Chef klar.

Ein weiteres heißes Eisen ist die nicht ausgereifte Neuaufteilung der EHF-Erlöse. Die sieht unter anderem vor, dass die Klubs für die Abstellung der Spieler und für die Versicherung mit 10 Prozent an den Einnahmen beteiligt werden und die Verbände mit Mannschaften bei der EM-Endrunde mit 20 Prozent. "Letztendlich regelt sich alles über Einnahmen. Deswegen sehe ich den Hauptkonfliktpunkt in der finanziellen Aufteilung. Es reicht nicht, willkürlich ein paar Prozente aufzuschreiben", sagte Strombach.

Die EHF steckt in der Klemme. Denn sollte der in zähen Gesprächen mit Klubs und nationalen Verbänden gefundene Kompromiss vom Außerordentlichen Kongress in Lillehammer zu Jahresbeginn nun in Wien keine Mehrheit finden, droht eine Konfrontation. Dann jedoch wird nicht nur die schon abgewendet geglaubte Privat-Liga der großen Klubs wieder aktuell, sondern es könnte auch zum Schulterschluss von Vereinen und Verbänden gegen die EHF führen. (APA/dpa)

 

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