"Wissen nicht, was auf uns zukommt"

25. September 2008, 13:03
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Am Donnerstagabend radelten und spazierten die Formel-1-Fahrer um die Rennstrecke im Ha­fen von Singapur. Am Freitag werden sie und ihre Autos erstmals für die Premiere üben, den Flutlicht-GP.

Singapur - Was die Orange, der Dschungel und Singapur gemeinsam haben? Es handelt sich um Wörter aus dem Sanskrit, quasi dem Latein Indiens. Und als ein hinduistischer Prinz, so erzählt es die Legende, im 14. Jahrhundert auf die Insel im Süden Malaysias kam, traf er mitten im Dschungel einen Löwen. Der Löwe brüllte. Der Prinz zückte das Schwert.

Die beiden blickten einander tief in die Augen und kamen zum Schluss, dass ein Wickel keinem helfen würde. Der Löwe ging von dannen. Der Prinz packte sein Schwert wieder ein. Und nannte den Flecken Singapur, Löwenstadt. Das Wahrzeichen Singapurs ist ein Merlion, der kommt nicht aus dem Sanskrit, sondern aus dem Englischen, er setzt sich aus Mermaid (Meerjungfrau) und Lion (Löwe) zusammen. Vom Löwen hat der Merlion den Kopf, von der Meerjungfrau und also vom Fisch den Körper.

Der Löwe aber war, wie die Legende erzählt, ohnehin nicht zu fürchten, zumindest nicht vom Prinzen. Am Sonntag steigt in Singapur der erste Flutlicht-Grand-Prix der Formel-1-Geschichte, und eines macht sogar Lewis Hamilton, dem WM-Führenden im McLaren-Mercedes, Sorgen: "Dass plötzlich die Lichter ausgehen. Das ist ja kein Fußballspiel, wo du von einer Sekunde auf die andere einfach stehenbleiben kannst."

Die MotoGP-Piloten haben heuer im März in Doha, Katar, schon ein Flutlicht-Rennen problemlos einer Erledigung zugeführt. "Wir wissen nicht wirklich, was auf uns zukommt. Aber es wird bestimmt einmalig, wir sind wegen dieser Sache hier alle sehr aufgeregt", sagt Hamilton. Sein Teamkollege Heikki Kovalainen meint: "In Finnland ist es den ganzen Tag finster, ich bin das gewohnt." In Singapur hingegen wird es nicht finster sein, die Rennstrecke wird mit Strahlern ausgeleuchtet, die insgesamt mehr als drei Millionen Watt leisten. Damit kann man vier Fußballstadien erhellen. Generatoren und Reservisten derselben sorgen dafür, sagen die Veranstalter, dass das Licht nicht ausgehen kann.

Probleme könnte der Regen bereiten, der in Singapur häufig fällt, nicht nur dem Grip, sondern auch der Sicht. Die Helmfirmen haben Spezialvisiere entwickelt, welche Spiegelungen verhindern sollen.

Wenn am Sonntag um 20 Uhr in Singapur der GP gestartet wird, ist es in Österreich 14 Uhr, also ganz normale Formel-1-Zeit. Hamilton: "Unser Trainingsprogramm ist darauf ausgelegt, dass wir am Nachmittag die beste Leistung bringen können, und deshalb halten wir uns auch in Singapur daran. Das ist aber nicht so einfach, denn der Körper will sich an die geänderte Zeitzone anpassen." Abgesehen davon führt Hamilton vor dem 15. von 18 WM-Rennen um einen Punkt vor dem Ferrari-Piloten Felipe Massa. (bez, APA; DER STANDARD Printausgabe 26. September 2008)

 

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    Heikki Kovalainen beim Visortest in der Dämmerung von Singapur.

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