Schwedbank in der Klemme

25. September 2008, 12:34
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Übernahmegerüchte und Kundenschwund plagen schwedische Großbank - Auch andere schwedische Banken von Finanzkrise betroffen

Stockholm/Wien - Die schwedische Großbank Swedbank ist durch die internationale Finanzkrise unter Druck geraten. Nachdem bekannt geworden war, dass neben anderen schwedischen Banken auch die Swedbank mit unerwartet hohen Beträgen an der insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers beteiligt war, machten in den vergangenen Tagen Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme des Instituts durch die Danske Bank oder die norwegische DNB Nor die Runde. Die schwedische Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" berichtete am Mittwoch außerdem über eine einsetzende Anlegerflucht aus dem Finanzinstitut.

Die Swedbank verweigerte einen Kommentar zu den Übernahmegerüchten und bezeichnete den Bericht über die Sparerflucht als stark übertrieben. Die Bank bezifferte ihre faulen Kredite bei Lehman Brothers mit lediglich 202 Mio. Kronen (20,9 Mio. Euro), das restliche Beteiligungsvolumen bei Lehman - 1,35 Mrd Dollar (919 Mio. Euro) sei aber gesichert. Außerdem sei die Swedbank derzeit die "absolut rentabelste" Bank in Schweden, hieß es seitens der Swedbank-Pressestelle.

Analysten warnten indes, dass bei einem Anhalten der internationalen Finanzkrise mindestens eines der großen schwedischen Finanzinstitute - neben Swedbank sind das Nordea, SEB und Svenska Handelsbanken - in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnte. Die hochkochende Gerüchteküche sei mit dieser Situation erklärbar. Swedbank sei wegen ihres Engagements im krisengeschüttelten Baltikum und ihrer vergleichsweise geringen Kapitaldeckung am stärksten exponiert und daher das naheliegendeste Objekt für Spekulationen, so der Bankenanalyst Rickard Henze laut der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Svenska Handelsbanken und SEB hatten ebenfalls bei Lehman Brothers investiert. Die schwedischen Bankaktien hatten vorige Woche allesamt kräftig nachgegeben, wobei es die Swedbank am schlimmsten erwischte. Zuletzt hatten sich die Kurse teilweise wieder erholt.

Die schwedischen Banken kämpfen angesichts der sich ankündigenden Konjunkturflaute und der einsetzenden Rezession in Estland und Lettland, wo wiederum die Swedbank über die mittlerweile als Marke vollständig eingegliederte Marktführererin Hansabank am stärksten von allen engagiert ist, bereits seit Monaten mit Gewinnrückgängen und Kursverlusten. (APA)

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