Unbeantwortete Fragen

25. September 2008, 10:51
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Ex-WADA-Boss skeptisch Pound sieht Armstrong-Comeback äußerst kri­tisch: "Er muss aufklären, wie es zu sechs positiven EPO-Proben kam"

New York- Die Rückkehr von Lance Armstrong stößt bei Dick Pound, dem ehemaligen Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, auf wenig Gegenliebe. Bei all der Aufregung über das Comeback des US-Radstars soll man nicht vergessen, dass die Karriere des mittlerweile 37-jährigen Texaners stets von Doping-Gerüchten begleitet war, betonte Pound am Mittwoch.

"Wenn er denkt, dass seine Rückkehr die Fragezeigen auslöschen kann, die vom ehemaligen französischen Sportminister und den Tour-Organisatoren aufgeworfen wurden ... diese Fragen blieben bis heute unbeantwortet", sagte der Kanadier. "Er muss aufklären, wie es zu sechs positiven EPO-Proben bekommen ist. Die UCI (Radsport-Weltverband) verweigert diesbezüglich die Zusammenarbeit", so Pound, der stets zu den schärfsten Armstrong-Kritikern gehört hatte, weiter.

Armstrong wurde nie positiv auf eine verbotene Substanz getestet, sechs nachträgliche Untersuchungen von Proben aus dem Jahr 1999 hatten Spuren des Hormons EPO (Erythropoietin) gezeigt. Eine unabhängige Kommission sprach Armstrong später vom Dopingverdacht frei und bemängelte die unkorrekten Testverfahren. Auch mögliche medizinische Ausnahmegenehmigungen, die ihm die Einnahme von dopingrelevanten Medikamenten aufgrund seiner überstandenen Krebserkrankung erlauben, hatten ebenso für Kontroversen gesorgt.

Der siebenfache Tour-de-France-Sieger, der Leistungsmanipulation stets abgestritten hatte, kündigte indes an, auf seinem Weg zum Comeback jederzeit für Dopingtests zur Verfügung zu stehen und sich einem rigorosen Testprogramm eines US-Anti-Doping-Experten zu unterwerfen. Pound kritisierte, dass diese Tests irrelevant seien, sofern sie nicht von einem vom IOC oder der WADA akkreditierten Labor durchgeführt würden.

Armstrong schweigt dazu und meinte lapidar: "Ich fahre einfach nur Rad." Aber reicht das, um im kommenden Juli mit dann fast 38 Jahren um den achten Sieg bei der Tour de France mitzufahren?

Toursieg "medizinisch möglich"

"Aus medizinischer Sicht wäre das sicher möglich", sagte Helge Riepenhof, der bei der Rad-WM in Varese Arzt des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ist. "Man kann nicht sagen, biologisch ist 38 gleich 38." Dass Armstrong sicherlich nicht mit Durchschnitts-Maßstäben zu beurteilen ist, habe er bei seinen letzten Starts im Marathon und bei Mountainbike-Rennen bewiesen. Schänzer stößt ins gleiche Horn: "Sportler mit ganz besonderen Merkmalen können auch mit 34 oder mehr Jahren optimale Leistungen bringen."

"Wenn Armstrong tatsächlich die nächste Tour gewinnen sollte, wäre das extremst auffällig und könnte unter Umständen auf Manipulation hinweisen", behauptet Sportarzt, Kardiologe und Chef-Mediziner des Berlin-Marathons, Willi Heepe. "EPO-Gaben sind bei niedriger Dosierung nur kurz nachzuweisen. Es ist klar, dass es leistungsmäßig ab 35 bergab geht, auch, wenn man sich auf einem solch hohen Plateau wie Armstrong bewegt." Für Heepe gilt das "unwiderruflich".

Zudem betont der Fachmann für Ausdauersportarten: "Der Stressfaktor beim Abruf von Extremleistungen wie sie im Profiradsport sicherlich nötig sind, ist in höherem Alter schädlicher als in jungem." (APA/Reuters)

 

 

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    WADA-Chef Pound hat ein wachsames Auge.

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