Zwei Bluttaten: Schüler hatten vermutlich Kontakt

25. September 2008, 15:24
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Pistolen im selben Geschäft gekauft - Beide Amokläufe ereigneten sich innerhalb weniger Monate - Die Polizei befürchtet nun weitere Nachahmungstaten

Kauhajoki/Finnland - Die beiden Amok-Bluttaten an finnischen Schulen im Abstand von zehn Monaten stehen möglicherweise miteinander in Verbindung. Beide Verbrechen seien so ähnlich, dass ein Kontakt zwischen beiden Tätern wahrscheinlich sei, sagte Chefermittler Jari Neulaniemi am Mittwoch der finnischen Nachrichtenagentur STT. Die beiden finnischen Schul-Amokläufer haben nach Aussagen von Bekannten direkten Kontakt gehabt. Der Maturant Pekka-Eric Auvinen (18), der im vergangenen November an einer Schule acht Menschen und sich selbst erschoss, hat laut einem finnischen Fernsehbericht über das Internet Kontakt zum Amokläufer von dieser Woche gehabt. Der Berufsschüler Matti Saari (22) tötete zehn Menschen und sich selbst.

Neulaniemi erklärte, dass Saari seine Pistole nachweislich im selben Geschäft in Jokela gekauft habe wie Auvinen, der dort auf das Gymnasium ging. Jokela liege aber rund 300 Kilometer entfernt von Saaris Wohnort.

Nachahmungstaten befürchtet

Nun befürchtet die Polizei weitere Nachahmungstaten. Polizeichef Paatero erklärte, man werde die Überwachung von Internetseiten wie YouTube verstärken. Dort hatte der 22-jährige Matti Saari Gewaltvideos veröffentlicht, bevor er am Dienstag zehn Menschen an einer Schule erschoss. Er nahm sich danach das Leben.

Die Polizei in Kauhajoki bestätigte, dass in der Region Schüler Drohungen per SMS erhalten hätten. Polizeisprecher Urpo Lintula sagte, die Textmitteilungen verbreiteten "Angst und Hysterie unter jungen Leuten und wir müssen sie stoppen".

In der schwedischen Gemeinde Köping wurde ein 16-jähriger Jugendlicher wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet. Der Zugriff sei erfolgt, nachdem Polizisten ein Video des jungen Mannes auf YouTube geprüft hätten. Über dessen Inhalt wurden keine Angaben gemacht.

In der schwedischen Stadt Vasteras wurde nach einer Gewaltdrohung eine Schule evakuiert, die bereits bei dem Massaker im finnischen Jokela im vergangenen November nach einem Drohanruf geräumt worden war. "Sie haben eine Warnung erhalten, dass jemand die Schule in Stücke schießen wird", sagte Stromberg.

Mehr Befugnisse bei Überprüfung gefordert

Ministerpräsident Vanhanen lobte die Polizei dafür, Hinweisen auf eine Gewaltbereitschaft des Schüler nachgegangen und ihn vernommen zu haben. "Wir müssen natürlich ermitteln, mit welcher Begründung es ihm erlaubt wurde, seine Waffe zu behalten." Innenministerin Anne Holmlund erklärte, die Polizei solle künftig größere Befugnisse erhalten, die medizinischen Unterlagen von Bewerbern um einen Waffenschein einzusehen, um möglichst auch über deren psychische Gesundheit informiert zu sein.

Eine Schülerin kämpft noch ums Überleben

Bis auf einen Lehrer handelte es sich bei allen Opfern am Dienstag um Schüler der Fachschule für Catering, Tourismus, Pflege und Hauswirtschaft in Kauhajoki. Da der Täter mit Hilfe eines mitgebrachten Brandbeschleunigers auch ein Feuer gelegt hat, waren die Opfer nur schwer zu identifizieren. Eine Schülerin, die mit zwei Kopfschüssen überlebte, befand sich nach Angaben von Ärzten nach zwei Operationen in zufriedenstellendem Zustand.

"Er hat in seiner Wohnung eine Botschaft hinterlassen, in der er sagt, er wolle so viele Menschen wie möglich töten. Er versuchte gezielt, tödliche Schüsse abzugeben", sagte der Leiter der Ermittlungen, Jari Neulaniemi.

Im August Pistole erworben

Laut Lintula hatte der junge Mann im August eine Pistole erworben. Dies ist in Finnland schon für 15-Jährige erlaubt, rund 1,6 Millionen Schusswaffen befinden sich dort im Besitz von Privatpersonen. Das Land liegt damit Studien zufolge nach den USA und dem Jemen weltweit an dritter Stelle.

Nach dem Amoklauf in der Fachoberschule entbrannte in Finnland eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze des Landes. Nach diesem Vorfall müsse geprüft werden, ob es weiterhin so einfach bleiben könne, Waffen zu erwerben, erklärte Ministerpräsident Matti Vanhanen am Mittwoch bei einem Besuch in der unter Schock stehenden Ortschaft Kauhajoki. "Ich stehe dem sehr kritisch gegenüber, und in den nächsten Monaten werden wir dazu eine Entscheidung treffen."

"Du stirbst als nächster"

Wie die Ermittler bestätigten, wurde der Amokläufer am Tag vor dem Massaker von der Polizei wegen Videoclips beim Internetportal YouTube befragt. Darauf ist zu sehen, wie er mit Handfeuerwaffen schießt. An einer Stelle richtet er die Waffe direkt in die Kamera und sagt dazu: "Du stirbst als nächster." Dennoch wurde er noch am selben Tag wieder freigelassen, weil die Polizei keinen rechtlichen Grund für eine Festnahme sah. Diese Entscheidung wird nun in einer offiziellen Untersuchung überprüft.

Im November vergangenen Jahres erschoss ein 18-Jähriger an seiner Schule acht Menschen, am Dienstag fielen dem 22-jährigen Täter zehn Menschen zum Opfer. In beiden Fällen setzten die Täter ihrem Leben selbst ein Ende. Gemeinsam war ihnen auch, dass sie sich intensiv mit dem Amoklauf in Columbine im US-Bundesstaat Colorado im Jahr 1999 beschäftigt und bei YouTube Gewaltvideos veröffentlicht hatten. (APA)

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    Die Polizei befürchtet nach dem zweiten Amoklauf innerhalb weniger Monate weitere Nachahmungstaten

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