Promotion - entgeltliche Einschaltung

"Aus dem Bauch heraus"

29. September 2008, 12:56
posten

Kabarettist Herbert Steinböck begibt sich mit seiner Rolle als Franz Liebkind in den Bereich Musical und möchte gar nicht mehr zum Singen aufhören

Herbert Steinböck präsentiert sich in The Producers im neu eröffneten Ronacher als singender Altnazi Franz Liebkind. Der Kabarettist und Neo-Muscialstar über seine künstlerischen Strategien gegen eine midlife-crisis, Mel Brooks Rhythmusgefühl und die Arebit an der Rolle des Franz.

derStandard.at: Hatten Sie vorher bereits Erfahrung im Bereich Musical gesammelt?

Herbert Steinböck: Ich habe in Baden-Baden mit klassischem Theater angefangen und da gab es einmal im Jahr die Musical- und Märchenproduktion. In Evita, My Fair Lady und Feuerwerk spielte ich mit - den dritten Baum von rechts.

derStandard.at: Da ist noch nicht die Liebe zum Musical entbrannt?

Steinböck: Nein überhaupt nicht. Bei diesen ersten Musicals habe ich keinen Ton gesungen. Ich hab mich damals auf das Theater konzentriert. Und dann ist mir das Kabarett dazwischen gekommen.

Ich bin zum Kabarett gekommen, weil ich vorher Theatersport machte. Da gibt es viele Sparten, die ausschließlich Gesang waren. Dadurch habe ich gemerkt, dass mir das gefällt. In meinem Programmen, sowohl Steinböck und Rudle, als auch bei meinem Soloprogramm habe ich immer wieder gesungen. Daher war das für mich ein logischer Schritt das einmal auszuprobieren.

derStandard.at: Wie ist die Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Wien zu Stande gekommen?

Steinböck: Ich habe nichts mit Musical am Hut gehabt. Aber mein Freund Andreas Bieber, der jetzt den Leo Bloom im Stück spielt, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass The Producers nach Wien kommt. Ich habe mir den Film noch einmal angesehen und mir gedacht, dass es einen Versuch Wert wäre. Und in einer Art Umbruchsstimmung, ich habe den 50. Geburtstag gefeiert, habe ich beschlossen, lieber vorher etwas zu ändern, bevor mich die midlife-crisis packt. Ich habe mich also beworben, vorgesungen und die re-calls durchgemacht.

derStandard.at: Und haben Sie daneben Gesangsunterricht genommen?

Steinböck: Ausgebildete Stimme habe ich keine. Ich würde es nicht wagen, bei einem klassischen Musical anzutreten. Aber bei The Producers handelt es sich ja um eine geniale Komödie mit Musikanteil. Niemand achtet darauf, ob der Franz das Hohe C trällern könnte. Hier sind sogar Naturstimmen gefragt, die zur Person passen. Bislang habe ich keine Klagen gehört.

derStandard.at: Sie stehen noch bis Mai mit The Producers auf der Bühne. Würde es Sie danach reizen, wieder etwas in dem Bereich zu machen?

Steinböck: Wenn mir eine Rolle angeboten werden würde, die in eine Gesangsrichtung geht, bei der die Faktoren Komödiantik, Charakterdarstellung und eine Naturstimme gefragt sind, würde ich sicher nicht nein sagen. Das muss aber nicht nur Musical, das kann auch Operette sein.

Eine Richtung, in die ich mich am liebsten entwickeln würde, ist eine Art Volksschauspieler. Meine Rolle des Franz geht ja auch in diese Richtung: Nestroy, Raimund, Molnar. Das würde mich reizen, als neue Facette.

Wenn ich jetzt wieder ein Soloprogramm mache, denke ich schon, dass ich das mehr in Richtung Musik gewichten würde. Eine Sache ist in der Pipeline: Mit dem Thomas Strobl, einem befreundeten Musiker, möchte ich ein Duoprogramm machen. Eine Duo Comedy-Musikprogramm interessiert mich sehr.

derStandard.at: Was ist besser: Mit dem Ensemble auf der Bühne zu stehen, oder solo?

Steinböck: Das sind zwei paar Schuhe. Wenn man das eine macht, denkt man sich vermutlich schon, dass man das andere nicht missen will und umgekehrt.
Eine Sache ist schon gravierend anders: Im Ensemble und besonders auf der großen Bühne im Ronacher, bekommt man die Reaktionen des Publikums nicht so direkt mit.

derStandard.at: Wie sind Sie die Rolle des Franz Liebkind angegangen?

Steinböck: Eigentlich aus dem Bauch heraus. Ohne Vorbilder. Ich habe mir dann auch den Film nicht mehr angeschaut. Denn bei einer vom Broadway übernommenen Geschichte sind ja die Charaktere relativ festgelegt. Meine Figur, ist aber kaum übersetzbar, weil sie im Englischen eine Mischung aus Englisch und Deutsch spricht. Wenn ich in Amerika „Sauerbraten" sage, findet das fast jeder lustig, aber hier funktioniert es nicht als Pointe. Daher hatte ich viele Möglichkeiten an die Rolle heranzugehen. Im amerikanischen Original hebt sich der Franz durch seine Andersartigkeit hervor - auch in seiner Sprache. Das haben wir hier auch versucht. Das Bayrische hat mir sicher dabei geholfen.

derStandard.at: Wie war das bei den Proben: Mel Brooks ist ein gelernter Schlagzeuger und ihm ist der Rhythmus sehr wichtig. Merkt man das im Stück?

Steinböck: Komik hat immer mit Rhythmus zu tun und ist sehr musikalisch. Das amerikanische Team, das das Stück mit uns geprobt hat, versteht kein Wort Deutsch. Die sind nur nach Rhythmus gegangen. Wenn zwei Silben zu viel waren, haben sie gemeint, dass die Pointe nicht funktioniert. Umgekehrt, haben sie meine Figur stellenweise irrsinnig lustig gefunden.

Wenn ich eine Soloprgramm schreibe feile und drehe ich so lange, bis das Stück auch einen Rhythmus hat. Wenn man sich das Stück auf Video anschaut, ist das wie eine musikalische Welle. Nur dann funktioniert das.

derStandard.at: Was steht neben The Producers in den kommenden Monaten am Programm?

Steinböck: Mit meinem Soloprogramm „Bananensplitter" werde ich ein paar mal auf der Bühne stehen. Aber generell gehe ich die nächsten Monate sehr entspannt an. Mein Vertrag läuft bis Ende Mai und ich genieße die Zeit im Moment sehr. (red, derStandard.at, Oktober 2008)

  • Herbert Steinböck brilliert als verrückter Schreiber Franz Liebkind
    vbw/oliver hadji

    Herbert Steinböck brilliert als verrückter Schreiber Franz Liebkind

Share if you care.