Milliardenwette gegen Banken

24. September 2008, 19:14
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Hedgefondsmanager John Paulson setzt 1,25 Milliarden Euro auf fallende Kurse bei britischen Banken

Hedgefondsmanager John Paulson setzt 1,25 Milliarden Euro auf fallende Kurse bei britischen Banken. Auch die Deutsche Bank und Barclays setzen auf fallende Kurse bei britischen Versicherern und Finanzierern.

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New York - John Paulson ist ein Krisengewinner. Im Gegensatz zu seinem Namensvetter Henry Paulson, US-Finanzminister (mit dem er auch nicht verwandt ist), kann sich der Hedgefondsmanager John Paulson seit Beginn der Subprime-Krise entspannt zurücklehnen. Der Investor und Gründer der Fondsgesellschaft Paulson & Co. hat bereits Anfang 2007 mit seinem Fonds auf die Implosion des Subprime-Marktes gewettet und Recht behalten. Der Wert des Fonds versechsfachte sich und nun managt Paulson bereits umgerechnet 24 Milliarden Euro an Vermögen.

Jetzt ist bekannt geworden, dass Paulson auch auf einen weiteren Kursabsturz der britischen Bankenaktien wettet, also die Finanztitel "short" geht. Damit profitiert er von fallenden Aktienkursen, denn er leiht sich die Aktien und kauft sie im Falle eines Kursverlustes billiger zurück. Insgesamt 1,25 Milliarden Euro setzt Paulson dabei gegen die Banken. Eine Short-Position in Höhe von 440 Millionen Euro ist Paulson auf Barclays eingegangen, weitere 368 Millionen Euro gegen die Royal Bank of Scotland, 328 Millionen Euro gegen Lloyds TSB, und 113 Millionen Euro gegen HBOS. Paulson ist von weiteren Milliardenabschreibungen im Finanzbereich überzeugt. Insgesamt müssten nach seiner Rechnung mehr als 1,3 Billionen Dollar abgeschrieben werden. Bislang haben die Finanzinstitute Abschreibungen in Höhe von 522 Milliarden Dollar vornehmen müssen. Seine große Wette auf den Wertverfall von Bankentitel musste Paulson wegen schärferer Regulierungen des Marktes für Leerverkäufe (Short-Selling) offenbaren.

Behörde gegen Leerverkäufe

Die britische Börsenaufsicht, die Financial Services Authority (FSA), verlangt von den Marktteilnehmern, jede Short-Position anzugeben, die 0,25 Prozent des Marktwertes einer Bank übersteigen. Neue Leerverkäufe von Bankentitel sind in England bis Jänner verboten. Zudem dürfen bestehende Wetten, wie jene von Paulson, nicht ausgebaut werden. Auch in den USA, Australien oder Holland sind bereits Verbote des Short-Sellings in Kraft. In den USA ist die Liste der Unternehmen, die nicht leerverkauft werden dürfen, auf fast eintausend erweitert worden.

Doch Paulson ist nicht der einzige Short-Seller. Die Deutsche Bank hat dabei einen Leerverkauf gegen den britischen Versicherer Friends Provident enthüllt. Sechs Millionen Euro ist die Wette schwer.

Auch die britische Bank Barclays, selbst im Visier des größten Leerverkäufers Paulson, setzt auf fallende Kurse an anderer Stelle. Fünf Millionen Euro setzt das Institut gegen St. James's Place ein, den Vermögensverwalter, der im Mehrheitseigentum der Immobilienbank HBOS steht.

Während Paulson & Co. zu den Krisengewinnern zählen, ist ein anderer Hedgefonds schwer unter Druck. Man Group, der größte börsenotierte Fonds, bat die FSA darum, auf die Liste der Finanzunternehmen zu kommen, die nicht leerverkauft werden dürfen. Dabei geht Man Group selbst auf andere Firmen short. Der Aktienkurs des Hedgefonds ist seit Monatsbeginn 27,2 Prozent gefallen. (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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    Krisengewinner John Paulson ist wichtigster Short-Seller.

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