EURO: Statistische Unebenheiten

24. September 2008, 20:19
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Wenn während der EURO um 18 Prozent öfter ein Mensch zum Raubopfer geworden ist, sind das nicht mehr nur kleinere Unebenheiten in der Statistik - Von Michael Möseneder

Völlige Ehrlichkeit von Politikern zu erwarten ist so sinnvoll, wie den Werbeversprechen zu glauben. Erst recht in einem heiklen Bereich wie der Kriminalität. Diese lässt sich vortrefflich für das politische Münzumtauschen einsetzen. Sinkt sie, jubeln die Amtsinhaber, steigt sie, trompetet die Opposition. Nachvollziehbar, dass da eher jene Zahlen veröffentlicht werden, die positiv sind, und die nicht so tollen tief in der Statistik versteckt werden.

Bedenklich wird die Praxis, wenn man beginnt, die Realität zu ignorieren. Gewiss, in Statistiken kann man sie sich nach Belieben zurechtbiegen. Doch wenn während der EURO_um 25 Prozent mehr Taschendiebstähle bei der Polizei angezeigt worden sind und um 18 Prozent öfter ein Mensch zum Raubopfer geworden ist, sind das nicht mehr nur kleinere Unebenheiten in der Statistik.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn Spitzenbeamte und Politiker dann vor die Medien treten und verkünden, bei der Fußball-EM sei alles super gewesen und die Polizei habe nur den friedlichen Fans die Städte zeigen und keine Anzeigen schreiben müssen. Obwohl im Land fast 900 Menschen mehr als ein Jahr zuvor in die Wachzimmer gekommen sind, um Taschendiebstähle anzuzeigen.

Diese Menschen sind es nämlich, die mit ihren Freunden und Bekannten reden und im Gespräch konstatieren, die Kriminalität steige rasant. Und diese Anzeigen sind es auch, die bei Polizisten denselben Eindruck aufkommen lassen. Und all diese Bürger hätten sich eine offenere Kommunikation verdient, die auch die politisch unerfreulicheren kriminellen Dinge nicht verschweigt. (Michael Möseneder/ DER STANDARD Printausgabe 25.9.2008)

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