Gutes Geschäft mit Gutmanns Gemälden

24. September 2008, 18:46
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Christie’s versteigert am 2. Dezember ein restituiertes Porträt aus der Sammlung von Rudolf Gutmann

Wien/London - Mit mehr als 1000 antiquarischen Büchern und Manuskripten sowie Werken altmeisterlicher Malerei und früher Druckgrafik besaß Rudolf Ritter von Gutmann Anfang des 20. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Privatsammlungen Österreichs: Bis zum 14. September vor exakt 70 Jahren, als der gesamte Vermögenskomplex zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt wurde. Den größten Teil der Kunstsammlung hatten die Nationalsozialisten für das in Linz geplante "Führermuseum" vorgesehen.

Gutmann flüchtete nach Kanada, während sich eine Vielzahl von Museen, darunter das Kunsthistorische Museum und die Albertina in Wien sowie das Joanneum in Graz, über qualitätsvolle Neuzugänge freuen durften. Nach Kriegsende erhielt der Großindustrielle einen Teil seiner Sammlung zurück, freilich nur, weil er als Gegenleistung für Ausfuhrgenehmigungen einiges in den österreichischen Museen beließ.

Das prominenteste Beispiel: ein von Martel Bruyn d. Ä. 1524 gemaltes Porträt Gerhard von Westerburgs. Seit 1947 war es als eines der wichtigsten Frühwerke der Kölner Renaissance im Kunsthistorischen Museum beheimatet, im Mai diesen Jahres wurde es entsprechend der Empfehlung des Österreichischen Kunstrückgaberates an die Nachfahren Gutmanns restituiert. Am 2. Dezember gelangt das 62 mal 52 große, auf Holz gemalte Porträt nun bei Christie's im Rahmen der Altmeisterauktion in London zur Versteigerung.

Ihre Erwartungen beziffern Experten mit 400.000 bis 600.000 Pfund, womit das Gemälde umgerechnet zwischen 503.000 und 755.000 Euro bringen könnte. Zum engeren Kreis der Interessenten gehört neben Johann Kräftner im Auftrag des Fürsten Liechtenstein auch das Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das selbst nur über eine Reproduktion verfügt.

Kunstwerke der Sammlung Gutmann gehören vor allem wegen ihrer Qualität seit langem zu guten Umsatzbringern: 1996 waren bei der von Christie's in Wien abgehaltenen Mauerbach-Auktion zwei vom Denkmalamt ursprünglich als "herrenlos" deklarierte Stillleben von Abraham Migon versteigert worden und brachten knapp 444.400 bzw. 927.000 Euro.

Im Rahmen der Rückgabewelle aus Albertina und Nationalbibliothek 2006 hatte Christie's einige der ehemaligen Gutmann-Kleinodien erfolgreich am Markt platzieren können: Für die Queen of Flowers, eines der frühesten Beispiele der europäischen Spielkartenherstellung und ein Meilenstein in der Entwicklung der Druckgrafik, bewilligte ein europäischer Kunsthändler stolze 306.000 Euro. Zwölf Handschriften schlugen sich mit weiteren 291.000 Euro für die Erbengemeinschaft zu Buche. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

  • Am 2. Dezember gelangt dieser im Mai 2008 restituierte Bartel Bruyn bei Christie’s zur Auktion.
    foto: christie’s

    Am 2. Dezember gelangt dieser im Mai 2008 restituierte Bartel Bruyn bei Christie’s zur Auktion.

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