Bank Austria fischt nach Firmenkunden

24. September 2008, 21:29
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Neuer Firmenkundenvorstand sieht keine Kreditklemme und genug Liquidität

Wien - Auch die Banken warten gespannt, wie es in der Wirtschaft weiter geht. Schwächt sie sich stark ab, ist das mit zwölf bis 18 Monaten Verzögerung in den Firmenkreditbüchern der Banken ablesbar - dann steigen die Wertberichtigungen. In Österreich müssen sich Firmenkunden derzeit nicht sorgen, wegen der Finanzmarktkrise weniger Geld von den Banken zu bekommen: Es sei genug Liquidität vorhanden und gebe keine Kreditklemme. Das sagte der neue Firmenkunden-Vorstand der Bank Austria, Helmut Bernkopf, am Dienstagabend zu Journalisten in Wien. Freilich sei von Banken geborgtes Geld teurer geworden: Ein mittelgroßes Unternehmen durchschnittlicher Bonität musste im Juli um rund zehn Basispunkte mehr zahlen als zu Jahresbeginn.

Bernkopf war bis vor einer Woche Chef der Russland-Tochter der Bank Austria. In Russland sei der Anleihemarkt seit einem Jahr "komplett tot" , erzählte er, dafür sei das entsprechende Kreditvolumen um 40 Prozent explodiert. In Österreich sieht er diesen Trend nicht: Zwar sei die Platzierung von Unternehmensanleihen derzeit sehr schwierig, dermaßen weg gebrochen wie in Russland sei der Anleihemarkt aber nicht.

Das Ziel der Bank Austria, bis 2010 rund 3000 neue Firmenkunden zu angeln, hat Bernkopf bekräftigt. Er plane weitere Marktoffensiven in den Bundesländern und in Wien, wobei es um reinen Verdrängungswettbewerb gehe. Derzeit hat die Bank Austria in Österreich rund 15.500 Firmenkunden, Unternehmen also, die einen Umsatz von mehr als drei Mio. Euro im Jahr machen.

Was die eigenständige Kreditvergabe der Bank betrifft, die der Mailänder UniCredit gehört, erklärte Bernkopf, dass 80 Prozent der Entscheidungen "draußen in der Region" fielen, 20 Prozent in Wien. Nur bei mehreren hundert Millionen Euro gehe es über den von UniCredit dominierten Wiener Aufsichtsrat "nach Mailand".

Wert legt die Bank Austria auf die Feststellung, dass "im Firmenkundengeschäft kein Umbau geplant" sei.  DER STANDARD hat in seiner Dienstag-Ausgabe missverständlich von Umstrukturierungen in der Sparte berichtet; diese beziehen sich aber auf den Risikobereich der gesamten Bankengruppe. Das Risikomanagement wird verstärkt nach Branchen ausgerichtet, ein Modell, das es laut einem Sprecher der Bank in Österreich bereits gebe und nun auch konzernweit verstärkt werde.  (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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