Nach der Wahl ist vor der Wahl

24. September 2008, 17:47
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Ab Montag geht es weiter mit Postenbesetzungen in staatsnahen Betrieben

Wien - Wenn am Sonntag die Nationalratswahl geschlagen ist, können sich diverse Noch-Minister endlich wieder wirklich wichtigen Dingen in ihren Ressorts zuwenden. Dazu gehört auch das Bestellen von Geschäftsführern und Vorständen in diversen, im Besitz oder Einflussbereich des Bundes stehenden Gesellschaften.

Das Verkehrsministerium ist diesbezüglich eine Art Eldorado für Personalisten, dort herrscht reges Kommen und Gehen. Entscheidungsreif sind - praktischerweise im Interregnum zwischen Urnengang und Regierungsbildung - einige Managementbesetzungen.

Da wäre zum Beispiel die Wasserstraßengesellschaft Via Donau, deren Geschäftsführer Helmut Pablé im Frühjahr überraschend entlassen wurde (und gegen diesen Rauswurf im Arbeits- und Sozialgericht prozessiert - mit guten Erfolgsaussichen, wie Juristen meinen). Die Bewerbungsfrist für Pablés Nachfolge endete Mitte August, auch ein Vierervorschlag mit einer (angeblich dem Wiener Rathaus nahestehenden) Frau an der Spitze liegt längst vor, erfuhr der STANDARD aus Via-Donau-Aufsichtsratskreisen. Es fehlt: Die Entscheidung des Ministers, die der Aufsichtsrat zu exekutieren hat.

Nicht viel schwieriger ist die Übung bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG: Deren aus Henrietta Egerth-Stadlhuber und Klaus Pseiner bestehendes Geschäftsführer-Duo darf getrost mit einer Vertragsverlängerung rechnen.

Die FFG-Posten seien nur deshalb mehr als ein Jahr vor Vertragsende ausgeschrieben worden, um Macht und Einfluss zu perpetuieren, argwöhnen FFG-Aufsichtsratsmitglieder. Das dürfte wohl im Sinne von FFG-Hälfteeigentümer Wirtschaftsminister Martin Bartenstein sein, in seinem Kabinett war Egerth für Forschung und Entwicklung zuständig. Pseiner wiederum ist wohl kein in die Wolle gefärbter Roter, aber gut genug vernetzt mit der SP-Reichshälfte.

Zeitlich unterzubringen sein sollte vor der Regierungsbildung auch die Managementberufungen in der Austro Control. Das Auswahlverfahren macht, wie bei der Via Donau, Personalberater Wentner & Havranek.

Schwerstarbeit ist hingegen das Tauziehen um diverse ÖBB-Spitzenpositionen. Es wurde durch langes Hinausschieben nicht einfacher. Von den drei im März ausgeschriebenen ÖBB-Infra-Bau-Vorstandsposten wurde bisher erst einer besetzt (mit Anlagenbaumanager Andreas Matthä), die zwei heißen Sessel von Gilbert Trattner und Georg-Michael Vavrovsky sind noch immer so heiß, dass sie ab Jänner leer sein könnten.

Der Sessel des ÖBB-Holding-Finanzchefs (Nachfolge Erich Söllinger) wurde von den Noch-Koalitionspartnern informell wohl bereits für Josef Halbmayr reserviert, könnte bei einem SPÖ-Erdrutschsieg aber doch noch ein Zweikampf zwischen Halbmayr und ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider werden. Rückt Halbmayr in die Holding auf, wird der Finanzer im Personenverkehr frei. Vorher wird noch der zweite Postbus-Chauffeur ausgewählt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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