"Es ist schlimmer geworden"

24. September 2008, 17:38
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Österreichs Frauen arbeiten dank Einkommensschere ab heute bis zum Jahresende gratis

Graz - Ab heute arbeiten Frauen in Österreich für den Rest des Jahres gratis weiter. Denn mit dem 25. September wurde der diesjährige Equal-Pay-Day (Tag der Entgeltgleichheit von Männern und Frauen) erreicht, den das Grazer Genderforschungsinstitut Peripherie alljährlich für Österreich errechnet.

Als Basis für diesen Tag, der mit der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen korreliert, wird die Lohnsteuerstatistik für Vollzeitarbeit herangezogen. Das Ergebnis in Zahlen: Österreicherinnen verdienen zurzeit um 26,5 Prozent weniger als Österreicher.

Wäre ihr Einkommen gleich, würde der Equal-Pay-Day auf den 31. Dezember fallen. Doch hierzulande geht die Entwicklung eher in die andere Richtung: Der Tag wurde etwa im Vorjahr erst am 27. September erreicht. Für Doris Kapeller, Soziologin und Geschäftsführerin von Peripherie steht fest: "Es ist schlimmer geworden, am ärgsten ist für mich unsere Reihung innerhalb der EU." Österreich hat nämlich die fünftgrößte Einkommensschere - nach Großbritannien, der Slowakei, Zypern und Estland.

Das Problem der ungerechten Entlohnung von Frauen bestehe aus "vielen Puzzlesteinen", erklärt Kapeller im Gespräch mit dem Standard weiter, wobei sie es nicht nur auf die "Kinder-Frage" reduziert sehen will: "Es ist vielmehr so, dass für Frauen typische Berufe, wie Verkäuferin, Friseurin oder Sekretärin trotz gleich langer Ausbildungszeit einfach schlechter bezahlt werden, als jene Branchen, in der mehr Männer tätig sind, wie etwa die Metallerbranche".

Aber auch gleiche Jobs innerhalb des selben Unternehmens werden oft ungleich bezahlt. Anders als im öffentlichen Dienst zeige das Gleichbehandlungsgesetz in der Privatwirtschaft keine ausreichende Wirkung.

Gerechteres Slowenien

Slowenien und Polen haben die kleinsten Einkommensscheren. Bei Polen könne das aber am großen, statistisch unsichtbaren Schwarzmarkt liegen, so Kapeller. Peripherie veranstaltet heute einen ganztägigen Informationsstand auf dem Grazer Tummelplatz und einen Workshop zum Thema " Geschlecht und Daten" . Zudem werden Transparente an öffentlichen Gebäuden der Stadt angebracht. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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