Liberale Zitterpartie im Endspurt

Geteilte Meinungen über den Einfluss von Zachs Abgang auf die Wählergunst

"Der Rücktritt war absolut notwendig" , liest man in den Blogs auf der Homepage von Heide Schmidt. Ein Einzug der Liberalen ins Parlament wäre ohne Abgang von Ex-Parteichef Alexander Zach noch schwieriger geworden, ist man sich einig.

Politologe Thomas Hofer gibt den Bloggern recht. Dem Liberalen Forum sei es mit dem Rückzug des Parteichefs wenige Tage vor der Wahl gerade noch gelungen, "den potenziellen Schaden zu minimieren" . Hintergrund: Zach zog am Dienstag nach sieben Jahren als LIF-Bundessprecher die Konsequenz aus den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, er habe für den Eurofighter-Hersteller EADS Lobbying betrieben. Für Hofer der einzig "richtige Weg" .

Neo-Parteichefin Schmidt habe so zumindest ihre eigene Glaubwürdigkeit retten können. Dennoch: Durch die jüngsten Entwicklungen sei es für das LIF nicht einfacher geworden, ins Parlament einzuziehen. Vor allem potenzielle Stimmen aus dem grünen Lager habe man verloren. Die Gerüchte um LIF-Financier Hans Peter Haselsteiner und Zach wieder aufzukochen, sei "ein guter Schachzug" der Grünen gewesen, sagt Hofer.

market-Chef Werner Beutelmeyer meint allerdings, dass Zachs Fehler wie auch sein Rücktritt keine wesentliche Wählerbewegungen auslösen würden: "Zach ist wie Haselsteiner in einem politisch-wirtschaftlichen Umfeld, da erwarten die Leute nichts anderes."

Schmidt, die die Anschuldigungen gegen Zach nach der Wahl lückenlos aufgeklärt wissen will, rechnet sich jedenfalls noch Chancen auf einen Einzug ins Parlament aus. Beim Wahlkampffinale am Mittwochabend im Palmenhaus in Wien übten sich die Liberalen in demonstrativem Optimismus. Spitzenkandidatin Schmidt sprach von einem "unglaublich positiven, energiegeladenen Wahlkampf" . Scharfe Kritik übte sie an den Grünen. Deren Wahlkampfstrategie bezeichnete sie als rückwärtsgewandt, da man nicht bedacht habe, dass das LIF bei einem Einzug ins Parlament über sieben Mandate verfügen und somit eine Dreierkoalition inklusive der Grünen ermöglichen würde. (cs, kw, DER STANDARD, Printausgabe, 25.9.2008)

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