Großbritannien plant Hitliste aus digitalen Abo-Musikdiensten

24. September 2008, 14:50
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Single-Charts landen im Breitband-Internetzeitalter - In den Charts sind digitale Downloads miteinbezogen

An die 56 Jahre nach der Veröffentlichung der ersten wöchentlichen Single-Charts in Großbritannien will das verantwortliche Unternehmen nun eine Neustrukturierung der musikalischen Hitlisten vornehmen. So wird die britische Official Charts Company (OCC) künftig erstmals auch ganz offiziell eine sogenannte "subscription plays chart" veröffentlichen. Die darin enthaltene Auflistung der beliebtesten Einzelsongs ergibt sich dabei aufgrund der gemessenen Häufigkeit, in der individuelle Tracks über neuartige digitale Musikabonnement-Dienste genutzt und abgespielt werden. Wie der Guardian berichtet, ist der Hintergrund der aktuellen OCC-Entscheidung vor allem in der Erkenntnis zu sehen, dass ein Festhalten an den traditionell angewandten Chart-Erhebungsmethoden im Breitband-Internetzeitalter zunehmend an Gültigkeit verliert. Um die Relevanz der Hit-Listung weiter aufrechterhalten zu können, sei eine Anpassung der Messverfahren unumgänglich.

Zeitgemäß

"In der Vergangenheit haben wir uns für die Zusammenstellung der Single-Charts im Wesentlichen darauf konzentriert, die individuellen Verkäufe der einzelnen Songs, Alben oder anderer physischer Produktarten zu zählen", erklärt Martin Talbot, Managing Director der OCC. Diese Praxis habe sich zwar in der Vergangenheit über lange Zeit bewährt, sei aber im Breitband-Internetzeitalter einfach nicht mehr zeitgemäß. "Wir befinden uns derzeit in einer Phase, in der die Musikindustrie verstärkt nach neuen Geschäftsmodellen suchen muss. Mit der 'subscription plays chart' hoffen wir, die Zukunft der Hitlisten zu sichern", betont Talbot. Um die aufgrund der zunehmenden Piraterie rückläufigen Verkaufseinnahmen ausgleichen zu können, setze die Branche vermehrt auf legale, digitale Abonnement-Downloaddienste. Diese werden nach Ansicht der OCC in den kommenden paar Jahren eine enorme Verbreitung finden. "Die Industrie wird die Möglichkeit haben, die neuen Charts für die Bewerbung ihrer eigenen gesetzmäßigen Musikdienste zu nutzen", merkt Talbot an.

Einbezogen

"In Deutschland werden die Zahlen des digitalen Downloadmarktes bereits seit 2004 in die Zusammenstellung der Single-Charts miteinbezogen", stellt Sven Birgmeier, Sprecher der hierzulande für die Hitlisten verantwortlichen Media Control, fest. Seit 2007 sei es zudem zulässig, dass auch solche Produkte, die ausschließlich in nicht-physischer Form erschienen sind, in die Chart-Wertung mit aufgenommen werden können. Laut Birgmeier beschäftige sich auch die Media Control in Deutschland mit dem potenziell vielversprechenden Bereich der Abonnement-Modelle. "Wir beobachten den Markt sehr genau. Derzeit gibt es aber noch keine konkreten Pläne unseres Auftraggebers, des Verbandes der Musikindustrie, dieses Segment auch in die Single-Chart-Wertung miteinzubeziehen", so Birgmeier abschließend.

Pauschale

Angebote wie Napster, die "MusicStation" von Vodafone oder "Comes With Music" von Nokia bieten ihren Abonnementen für einen monatlichen Fixbetrag einen uneingeschränkten Zugang zu Mio. von Einzelsongs. Nachdem die anfänglichen Differenzen über Rechte- und Umsatzmanagement zwischen Anbietern und der Musikindustrie nun großteils überwunden sind, vermuten viele Branchenexperten, dass dieser Bereich in den nächsten paar Jahren in punkto Popularität wahrhaft explodieren wird. "Mit der Weiterentwicklung des internationalen Musikmarkts werden Abonnement-basierte unlimitierte Musikdienste sich als fester Bestandteil der digitalen Musiknutzung etablieren", meint etwa Rob Lewis vom britischen Musikanbieter Omnifone. (pte)

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