Stress-Scanner entlarven Terroristen

24. September 2008, 14:24
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US-Heimatschutz bastelt an Vorwarn-System - "Wir erreichen derzeit 78 Prozent Genauigkeit bei der Erkennung böswilliger Absicht"

Das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) arbeitet an einem System, das Kriminelle und Terroristen vor der Tat entlarven kann. Genutzt wird dazu ein psychologisches Screening mittels einer Kombination von Biosensoren. Diverse Stress- und Angstsymptome wie beispielsweise ein beschleunigter Herzschlag, die für Personen mit feindseligen Gedanken typisch sind, sollen vor potenziellen Verbrecher warnen. Das DHS hat kürzlich eine Demonstration dieser "Future Attribute Screening Technology" (FAST) gegeben, berichtet USA Today. Das Projekt befindet sich zwar noch im Frühstadium, stößt aber bereits auf Kritik.

Auffälligkeiten

Plötzliche Veränderungen in der Körpertemperatur, ein gesteigerter Puls oder auffallend schweres Atmen zählen zu den Angstanzeichen, durch die potenzielle Täter vor dem Verbrechen erkannt werden sollen. Um die Indikatoren zu messen, kommt ein ganzes Arsenal an Sensoren zum Einsatz. Neben Kameras und Infrarot-Detektoren umfasst es auch ein für die Augen ungefährliches Laser-System namens "Bio-Ladar", berichtet NewScientist. Dieses diene speziell der Messung von Puls- und Atmungsfrequenz. "Wir erreichen derzeit 78 Prozent Genauigkeit bei der Erkennung böswilliger Absicht und 80 Prozent bei Täuschungsversuchen", sagt DHS-Wissenschaftssprecher John Verrico. Allerdings beruhen diese Zahlen auf Tests mit wenigen Freiwilligen, nicht auf einem groß angelegten Feldversuch.

Noch Jahre

FAST befindet sich erst im zweiten von fünf Projektjahren und dürfte noch einige Hürden zu überwinden haben. Ein Scan des Sensorsystems sei im Endeffekt eine medizinische Untersuchung und damit ein Eindringen in die Privatsphäre, so Kritiker. Das System sei strikten Datenschutz-Richtlinien unterworfen und würde Daten nie namentlich einer Person zuordnen, meint dazu Verrico. Kritisiert wird auch, dass Angst- und Stresssymptome keine schlüssigen Anzeichen für illegale Intentionen sind. "Die Herzrate wird von einer ganzen Reihe von Faktoren bestimmt, nicht nur von feindseligen Absichten", betont Timothy Levine, Kommunikationswissenschaftler an der Michigan State University. Daher würde die Idee der Verhaltens-Profile nicht funktionieren. Beispielsweise könnte die Aufregung eines Fluggasts über einen verspäteten Flug so zum Fehlalarm führen.

1984

Als weitere Stolperfalle für FAST könnten sich unvorteilhafte Vergleiche mit der Science-Fiction entpuppen. Mit der Aussage, dass die Idee orwellsch anmuten mag, spielt USA Today auf George Orwells Roman "1984" und damit einen totalitären Überwachungsstaat an. NewScientist wiederum stellt eine Verbindung zum Film "Minority Report" her. Die dort gezeigte Methode zur Verbrechensprävention ist zwar nicht technologisch, scheitert aber letztendlich an dem Risiko der Fehlalarme.

  • Scanergebnisse des FAST-Systems.
    dhs

    Scanergebnisse des FAST-Systems.

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