Japans Banken zeigen Muskeln

24. September 2008, 17:02
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Mitsui will sich in US-Investmentbank einkaufen

Tokio - Vor fünf Jahren selbst noch todkrank, tanzen Japans genesene Großbanken im Takt des Krisentangos auf die Weltbühne zurück. Die drittgrößte Finanzgruppe des Landes, Sumitomo Mitsui (SMFG), will Geld in Goldman Sachs pumpen, Gerüchten zufolge bis zu drei Mrd. Dollar. Anfang der Woche hat Japans größte Finanzgruppe, Mitsubishi UFJ, erklärt, einen 8,4 Mrd. Dollar teuren Kauf von bis zu 20 Prozent an der schwankenden US-Bank Morgan Stanley zu prüfen.

Japans größter Wertpapierhändler Nomura wiederum reißt sich asiatische und europäische Liegenschaften des kollabierten Traditionshauses Lehman Brothers unter den Nagel.

Japans Banken nutzen die Krise, um erstmals seit Beginn des japanischen Bankencrashs 1990 in Übersee zu expandieren. Die Probleme mit den Subprime-Krediten habe die Finanzinstitute in den USA und Europa schwer beschädigt, den Status japanischer Banken aber angehoben, heißt es in Finanzkreisen. Nach Daten der US-Marktforscher Dealogic haben Japans Banken in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 56 Prozent mehr an syndizierten Krediten organisiert, während die der US-Rivalen um 50 Prozent gefallen sind.

Bank-Panik in Hongkong

Das Vertrauen in die eigenen Banken scheint bei vielen Japanern aber noch nicht ausgeprägt. Vor Filialen der Hongkonger Bank of Asia haben sich am Mittwoch lange Schlangen mit Kunden gebildet, die ihr Geld zurückverlangten. Die Bank ist Gegenstand unbestätigter Gerüchte, denen zufolge ihre Stabilität infrage steht. Das Institut sprach von "böswilligen" Gerüchten, die jeder Basis entbehren würden. "Die Bank steckt nicht in finanziellen Schwierigkeiten" , sagte Joseph Pang, stellvertretender Bank-Chef, zu Reportern. (Martin Kölling, Toki. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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