Karadzic soll sich binnen zwei Wochen zu neuer Anklage äußern

24. September 2008, 12:26
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Ehemaliger bosnisch-serbischer Präsident hatte Anklage am Montag erhalten - Der einstige Präsident der Republika Srpska will sich vor dem UNO-Tribunal selbst verteidigen

Der ehemalige bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic soll sich binnen zwei Wochen zu der im September ergänzten Anklage des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien äußern. Das beschloss der zuständige Tribunalssenat bei einer Verhandlung am heutigen Dienstag. Karadzic selbst wollte laut Medienberichten die Anklage nicht kommentieren.

Er habe sie erst am Montag erhalten und konnte sie nicht analysieren, da er einen Besuch von Familienangehörigen und viele andere Angelegenheiten zu verrichten gehabt habe, präzisierte der Haager Angeklagte. Karadzic, der am 21. Juli nach fast dreizehnjähriger Fahndung in Belgrad festgenommen worden war, beklagte sich vor dem Haager Gericht wegen "mangelnder Ressourcen". Er habe einen Rechtsberater bestellt und hoffe, sein Team bald gebildet zu haben. Der einstige Präsident der Republika Srpska will sich vor dem UNO-Tribunal selbst verteidigen. Ob sein Anliegen vom UNO-Tribunal auch akzeptiert werden wird, war vorerst noch unklar. Im Unterschied zum einstigen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und dem serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj ist Karadzic nämlich kein Jurist.

Die Anklage wirft dem Seelenarzt in elf Punkten den Völkermord in Srebrenica und in mehreren anderen bosnischen Ortschaften sowie andere Kriegsverbrechen während des Bosnien-Krieges (1992-1995) vor. Die nächste Verhandlung im Fall Karadzic wurde für 20. Jänner 2009 einberufen. Nach der Festnahme von Karadzic sind noch zwei Haager Angeklagte - der ehemalige bosnisch-serbische Militärchef Ratko Mladic und der einstige Chef der kroatischen Serben Goran Hadzic - flüchtig. Beide werden in Serbien vermutet. (APA)

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