Rufe nach verschärftem Waffenrecht

24. September 2008, 12:06
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Videos ähneln erschreckend denen des Amokläufers von der Jokela-Schule im vergangenen November

Kauhajoki - Nach dem zweiten Amoklauf an einer finnischen Schule binnen zehn Monaten hat die Regierung erneut strengere Waffengesetze gefordert. Eine Untersuchung, inwieweit die Polizei das Blutbad hätte verhindern können läuft.

Der 22 Jahre alte Täter von Kauhajoki war erst am Tag zuvor wegen eines Gewaltvideos verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Polizisten hätten die Situation offenbar für nicht so bedrohlich gehalten, dass sie die Waffe des 22-Jährigen konfiszieren oder seine Lizenz einziehen wollten, erklärte Innenministerin Holmlund. Nun müsse geprüft werden, "was man hätte tun sollen und ob wir diese Situation hätten vermeiden können", sagte Innenministerin Anne Holmlund.

Videos sind sich ähnlich

Denn die Videos, die der 22-Jährige ins Internet stellte, ähnelten erschreckend denen des Amokläufers von der Jokela-Schule im vergangenen November. Damals hatte ein 18-Jähriger in seiner Schule in Südfinnland acht Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Zuvor hatte er ein Video mit dem Titel "Jokela High School Massacre" bei "YouTube" eingestellt.

Die YouTube-Videos zeigen den 22-Jährigen beim Schießen mit einer Handfeuerwaffe. In einer Botschaft heißt es, das ganze Leben sei ein Krieg, und jeder kämpfe für sich allein. Nach Medienberichten verweist einer der Clips gezielt auf den Ort Kauhajoki.

Vorwürfe gegen Polizei nicht gerechtfertigt

Mehrere Experten betonen, trotz der zeitlichen Nähe zwischen dem Verhör und dem Blutbad am darauffolgenden Tag seien Vorwürfe gegenüber der Polizei nicht gerechtfertigt. Es sei unfair zu erwarten, dass die Polizei hellsehen könne wie im Hollywood-Film "Minority Report", sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble.

Auch die Polizei könne nicht vorher wissen, ob jemand, der ein Gewaltvideo veröffentliche, auch entsprechende Gewalttaten verüben wolle, betonte Noble. Im Nachhinein könne man Dinge immer hinterfragen: "Man schaut sich das Video mit dem Wissen an, dass er diese Menschen getötet hat - und es sieht noch erschreckender aus." Daher kämen nun Fragen auf: "Wie konnte die Polizei den jungen Mann laufen lassen? Warum haben sie ihn nicht festgenommen? Warum haben sie ihn nicht für drei Tage in psychiatrische Beobachtung gesteckt?"

Waffen beschlagnahmen

Einige Länder bräuchten Vorschriften, die es ermöglichten, potenziell bedrohlichen Bürgern Handfeuerwaffen zu entziehen, sagte Noble mit Blick auf die in Finnland erneut diskutierte Verschärfung des Waffenrechts. Dann könne die Polizei entscheiden, dass es zwar keine ausreichende Gründe für eine Festnahme gebe, könnte die Waffen aber beschlagnahmen.

Finnland: 1,6 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz

In Finnland befinden sich 1,6 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privatpersonen. Das Land liegt damit Studien zufolge hinter den USA und dem Jemen weltweit an dritter Stelle. Die geltenden Bestimmungen sollten deutlich verschärft werden, forderte der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen dem Radiosender YLE.

So soll beispielsweise die Erlaubnis auf den Prüfstand gestellt werden, kleinere Feuerwaffen ohne Auflagen im Haus zu haben. Bereits nach dem Amoklauf an der Jokela-Schule hatte die Regierung angekündigt, die Altersgrenze für den Kauf von Schusswaffen von 15 auf 18 Jahre heraufzusetzen. Geschehen ist jedoch nichts. (APA)

 

 

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