Immer weniger Trafiken

24. September 2008, 11:45
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Der Zigaretten-Großhändler Tobaccoland erwartet weitere Marktbereiniungen in Österreich, die Wettbewerbsbehörde geht nach wie vor Kartellvorwürfen nach

Wien - Die Trafikanten müssen vom Verteiler zum Verkäufer werden, so die Meinung von Tobaccoland-Chef Peter Leimer. Die Zeiten, in denen Trafikanten auf Grund der fixen Spannen und des Monopolschutzes nahezu automatisch vor Insolvenzen geschützt waren, seien vorbei. Auch diese Branche sei inzwischen von einer Konsolidierung betroffen. Vielmehr müssten die Trafikanten teilweise die Rolle von Nahversorgern übernehmen, da ohnehin immer mehr Greissler verschwinden. Außerdem gelte es neue Geschäftsbereiche zu nutzen. So seien die Trafikanten mittlerweile die größten Ticketverkäufer in Österreich. Der durchschnittliche Österreicher besucht jeden dritten Tag eine Trafik.

Rund 50 Prozent des Umsatzes machen die Besitzer von Tabakläden derzeit mit Rauchwaren. Immer wichtiger werde das Geschäft mit Handy-Wertkarten, Vignetten und Snacks. Eine durchschnittliche Trafik würde bereits rund 500 bis 700 Artikel führen. Es sei aber keineswegs daran gedacht, dem klassischen Lebensmittelhandel Konkurrenz zu machen. "Wir reden von Impulskäufen und nicht dem klassischen Wochenendeinkauf", so Leimer. Wobei die Spannen für die Trafikanten gering seien: Rund 15 Prozent bei einer Stange Zigaretten und 3 Prozent bei Autobahn-Vignetten.

Kaufmännische Beratung

Die Aufgabe von Tobaccoland, einer Tochter der Austria Tabak, sieht Leimer in der kaufmännischen Beratung der Trafikanten. Vielen von ihnen hätten keinerlei derartige Ausbildung, weil sie erst durch einen Unglücksfall in diese Branche gekommen seien und vorher nicht in kaufmännischen Berufen tätig waren. Knapp die Hälfte der Trafikinhaber hat eine Behinderung, das ist deutlich mehr als noch vor 20 Jahren, als es rund ein Viertel waren. "Jeden 3. Tag bekam in den letzten zehn Jahren ein behinderter Mensch durch ein Tabakfachgeschäft eine Existenzgrundlage", betonte Leimer.

Vorwürfe, wonach Tobaccoland seinen Marktanteil von 90 Prozent ausnutzen würde, um den Wettbewerb zu behindern, weist Leimer zurück. Dieser Anwurf sei schon mehrfach von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) untersucht und nie sei das Unternehmen zu einer Strafzahlung verurteilt worden. Aus der BWB hieß es dazu, dass einige Untersuchungen noch andauern würden.

Tobaccoland beliefert alle 7.700 heimischen Trafikanten und beschäftigt selber 290 Mitarbeiter. Jährlich werden aus acht Distributionszentren rund 12 Mrd. Zigaretten ausgeliefert. Dazu kommen knapp 100 Millionen Stück Zigarren. Die Mutter Austria Tabak gehört dem internationalen JTI-Konzern. (APA)

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    Die Zeiten, in denen Trafikanten auf Grund der fixen Spannen und des Monopolschutzes nahezu automatisch vor Insolvenzen geschützt waren, sind vorbei.

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