Leichte Eintrübung in Deutschland

24. September 2008, 11:08
posten

3,08 Millionen Menschen waren im September auf Jobsuche, das sind zwar weniger als im August, die Herbstbelebung blieb aber aus

Nürnberg - Die Herbstbelebung hat im September für einen spürbaren Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Deutschland gesorgt. Nach Berechnungen von Experten waren im zu Ende gehenden Monat rund 3,08 Mio. Männer und Frauen ohne Arbeit. Dies wären rund 115.000 weniger als im August und rund 463.000 weniger als vor einem Jahr, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der monatsbezogene Rückgang fiel damit allerdings deutlich schwächer aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Die offiziellen Zahlen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Dienstag (30. September) bekannt.

Die Banken-Volkswirte sehen in dem gebremsten Herbstaufschwung erste Auswirkungen der sich abschwächenden Konjunktur auf den Arbeitsmarkt. "Es machen sich erste Bremsspuren der Konjunktur bemerkbar. Das wird im Laufe des nächsten Quartals noch deutlicher werden", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. "Es beginnt jetzt ein Auslaufen des Aufschwungs." Den Optimismus der Bundesagentur für Arbeit (BA), die auch für das kommende Jahr mit einem anhaltenden Abbau der Arbeitslosigkeit rechnet, teile er nicht, betonte Tuchtfeld.

Ähnlich sieht das auch sein Kollege von der Münchner HypoVereinsbank, Alexander Koch: "Der September bringt zwar saisonal bedingt noch mal positive Werte. Ich denke aber nicht, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt noch lange anhält", meint er. Er verweist dabei wie auch seine Kollegen auf die seit Monaten sinkenden Auftragseingänge der Industrie und andere Indikatoren. "Bis zum Jahresende dürfte der Aufschwung ausgelaufen sein. Für 2009 rechnen wir mit einem Rückgang der Erwerbstätigenzahlen um durchschnittlich 150.000." Das sei allerdings im Vergleich zu anderen Abschwungphasen ein moderater Rückgang.

Die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise hat dagegen nach Einschätzung der Banken-Vertreter auf die Arbeitsmarktlage noch nicht durchgeschlagen. "Das muss sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wie sich das auswirkt", meint etwa Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ-Bank. "Aber auf die Stimmung in der Wirtschaft schlägt das sicher durch", schätzt Jäger.

Im August war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 14.000 auf 3,196.000 gesunken. Das waren 510.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,8 Prozent gelegen. In Westdeutschland waren im August 2,109.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung - 11.000 weniger als im Juli und 335.000 weniger als im gleichen Vorjahresmonat. In Ostdeutschland gab es im August 1,087.000 Arbeitslose, 3.000 weniger als im Juli und 175.000 weniger als vor zwölf Monaten. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl im August um 40.000 auf 3,2 Mio. zurückgegangen. (APA/dpa)

Share if you care.