FBI bestätigt Ermittlungen gegen Wall Street

24. September 2008, 16:50
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26 Finanzkonzerne, darunter die vom Pleitegeier verfolgten Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman sind im Visier der US-Bundespolizei

26 Finanzkonzerne, darunter die vom Pleitegeier verfolgten Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman sowie AIG, sind ins Visier der US-Bundespolizei geraten. Auch die Finanzmarktaufsicht ermittelt.

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Washington - Waghalsige Geschäfte, riesige Abschreibungen, wilde Kursturbulenzen, einstürzende Finanzhäuser: Das ist der Stoff, aus dem der aktuelle Wall-Street-Krimi gemacht wird. Da darf das FBI nicht fehlen. Die bereits seit geraumer Zeit laufenden Untersuchungen des Federal Bureau of Investigation wurden nun ausgeweitet. Wie die Bundesbehörde am Dienstag bestätigte, ermittelt das FBI nun in 26 Fällen wegen des Verdachts auf Betrug.

Dem Fernsehsender CNN zufolge ist das FBI auch bei Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman Brothers und AIG aktiv. FBI-Chef Robert Mueller hatte betont, auch gegen verantwortliche Manager vorzugehen. Offenbar geht es in erster Linie um die Falschinformationen über die in diversen Kreditpapieren steckenden Risiken. Die Finanzkrise wurde ja durch die Verbriefung und Bündelung von Krediten, die mit Immobilien besichert sind, ausgelöst. Als die Häuserpreise vor eineinhalb Jahren zu sinken begannen, stellte sich heraus, dass die den Ausleihungen unterliegenden Vermögen nicht werthaltig sind. Deshalb kam es zum Verfall dieser Papiere, sogenannter Mortgage Backed Securities (MBS).

Die Verschleierung der mangelnden Besicherung der Forderungen könnte als Betrug angesehen werden, sagten Ermittler. Zudem stehe der Verdacht auf Insiderhandel im Raum.

Offiziell wurden vom FBI keine Angaben gemacht. Ein Sprecher des Justizministeriums bestätigte aber Ermittlungen gegen Unternehmen wegen Betrugsverdachts. Welche Firmen davon betroffen seien, wollte er jedoch nicht sagen.

Politisch ist das Vorgehen brisant, weil mehreren der mit den Vorwürfen konfrontierten Unternehmen gerade aus der Patsche geholfen wird. Die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wurden in der Zwischenzeit verstaatlicht, um das Finanzsystem nicht komplett zusammenbrechen zu lassen. Die US-Notenbank Fed rettete AIG mit einem Notkredit vor der Pleite. Lehman Brothers meldete Insolvenz an und wird derzeit zerschlagen.

Die Unterstützung für das Rettungspaket im Volumen von 700 Milliarden Dollar (rund 500 Mrd. Euro) würde durch allfällige, von den Instituten begangene Delikte nicht unbedingt gesteigert, meinen Beobachter. Die Diskussionen darüber im Kongress sind schleppender verlaufen als von Präsident George W. Bush erhofft. Die Demokraten stellen Bedingungen, sie wollen mehr Schutz für Hausbesitzer und bessere Kontrolle der Rettungsaktion. Auch unter Republikanern ist die Aktion nicht unumstritten, weil zu stark in den Markt eingegriffen werde - so die Kritik.

Die jetzigen Ermittlungen reihen sich nahtlos in andere Untersuchungen der Polizei und der Finanzmarktaufsicht SEC ein. Letztere hat bereits mehr als 50 Verfahren wegen möglicher Verletzung der Veröffentlichungspflichten betreffend die Bewertung von Immobilienpapieren, erklärte SEC-Chef Christopher Cox vor dem Bankenausschuss des Senats. Betroffen seien Banken, Versicherungen und Ratingagenturen, die den ABS oft eine hohe Bonität bescheinigt hatten. Die Aufsicht fordert nun Gesetze zur Regulierung des 58 Billionen Dollar schweren Kreditderivatemarkts.

"Ich verlange von Ihnen eine Behörde zur Regulierung dieser Produkte, um den Schutz der Investoren zu verbessern und den Betrieb von fairen und ordnungsgemäßen Märkten sicherzustellen", sagte Cox. Weder die SEC noch ein anderes Institut beaufsichtigten den Markt für Kreditderivate (credit default swap). Das gebe Anlass zu großer Sorge. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.9.2008)

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    Der größte Handelsplatz der Welt wird zusehends zum Kriminalschauplatz. Das FBI ermittelt wegen Betrugsverdachts, die Börsenaufsicht SECuntersucht ebenfalls.

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