Unterdurchschnittliches Wiener Wachstum

23. September 2008, 20:47
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„Neue" SP-Offensive; VP bangt um Wirtschaftsstandort

Wien - Im Wahlkampf-Endspurt besinnt sich die Wiener SPÖ wieder einmal ihrer Wurzeln - und präsentierte am Dienstag Maßnahmen, wie die Konjunktur gestützt und die Kaufkraft der Wiener angekurbelt werden soll. Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner hält die „konjunkturell schwierigen Zeiten" für bewältigbar - mit Maßnahmen wie den Ausbau der Infrastruktur (U-Bahn, neue Stadtteile) und einer Job-Offensive (mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen der Stadt).
Neu sei das nicht, gestand sie ein. Man habe diese Maßnahmen vorsorglich schon vor Monaten gesetzt. Die Anhebung des Landespflegegeldes und der Sozialhilfe sowie die Verdoppelung des Heizkostenzuschusses, welche die Stadt 13 Millionen Euro kosten sollen, sind erst jetzt dazugekommen.

Bürgermeister Michael Häupl sieht die Aufgaben der Stadt damit erfüllt und hat nur noch Wünsche an die künftige Bundesregierung: Die Einführung der Vermögenszuwachssteuer etwa.
Die Opposition sieht das naturgemäß anders als Häupl. Wien sei Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum, kritisiert VP-Klubchef Matthias Tschirf, im VP-regierten Oberösterreich sei es doppelt so hoch. Die Arbeitslosigkeit lag im August österreichweit bei fünf Prozent, in Wien bei 7,3 Prozent.

„Oberösterreich und Wien sollte man nicht direkt vergleichen", sagt Peter Mayerhofer vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Kernstädte wachsen aus vielen Gründen in ganz Europa oft schwächer als ihr Umland oder starke Industrieregionen.
Wien habe im Vergleich zu Oberösterreich wenig Industrie. 80 Prozent der Wiener sind im Dienstleistungssektor tätig. „In Zeiten exportorientierter Konjunktur - wie in den letzten Jahren - bedeute auch dies einen Wachstumsnachteil. Im Vergleich europäischer Großstädte sei das Wachstum Wiens leicht unterdurchschnittlich. Dies vor allem aufgrund des hohen Wachstums von Städten mit niedrigem Entwicklungsniveau, die sich in einem Aufholprozess befinden, etwa Bratislava oder Budapest in den letzten Jahren.

Wifo fordert Bildungsoffensive

Wo der Wirtschaftsforscher in Wien noch Probleme sieht, ist bei der Aus- und Weiterbildung. Denn durch die Umstrukturierung des Marktes - hin zum Innovationsstandort und weg von der kostenorientierten Produktion - brauche es gerade in Städten hochqualifizierte Arbeitnehmer. Probleme haben beispielsweise Jugendliche der 2. Generation. „Vor allem in Wien, wo der Migrantenanteil weit höher ist als im Rest Österreichs, muss das Bildungssystem auf die Zuwanderung reagieren", sagt Mayerhofer. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 24.09.2008)

 

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