Ausschreibungen in Sotschi verzögern sich

23. September 2008, 18:50
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Die Vorbereitungen für die 2014 in Sotschi stattfindenden Olympischen Winterspiele stocken. Österreichische Unternehmen warten auf die Ausschreibung konkreter Projekte

Sotschi - Ein Jahr nach der Vergabe der Olympischen Spiele an die russische Schwarzmeerstadt Sotschi kehrt bei den österreichischen Unternehmern Ernüchterung ein. Während sich im vergangenen Jahr gleich mehrere Delegationen aus Österreich auf den Weg nach Sotschi machten, um beim Internationalen Investitionsforum einen Teil der Aufträge zu ergattern, war das österreichische Aufgebot heuer sehr überschaubar. Neben Wienerberger, den Casinos Austria war auch noch die Raiffeisen Zentralbank vertreten.

Ein Grund für die Zurückhaltung der Investoren sind sicherlich die langsam anlaufenden Ausschreibungen. Der seit längerem angekündigte Masterplan für die Entwicklung von Sotschi wurde noch nicht fertig gestellt. Bis vor kurzem waren die Ausschreibungen zudem nur auf russischer Sprache verfügbar. Seit vergangenem Jahr habe sich in Krasnaja Poljana, dem Austragungsort der alpinen Wettbewerbe, wenig getan, sagte ein Teilnehmer.

"Ich hoffe, dass der Masterplan bald fertig ist, damit die Unternehmen wissen, auf welche Projekte sie sich konkret bewerben können", sagte Ingeborg Bauer-Kunst, die bei der RZB die Taskforce für Sotschi leitet. Die RZB will österreichische Exporteure, die Aufträge in Sotschi annehmen, unterstützen. Chancen hätten in erster Linie Subunternehmer aus der Baubranche, sagte Bauer-Kunst.

Sorgen von Investoren, dass auf Grund der Verzögerungen, die Bauvorhaben nicht rechtzeitig fertig werden könnten, teilt Achim Grohmann, Exportleiter von Thyssen Krupp Bautechnik, die sich für den Bau der Hafenanlagen interessieren, nicht. "Die Russen arbeiten am besten unter Zeitdruck. 2014 ist anscheinend noch zu weit weg", sagte Grohmann. Das Problem seien vor allem die langen Entscheidungswege, nicht das Geld.

Kostenexplosion

Durch die Verzögerungen ist es aber bereits zu einer Kostenexplosion gekommen, da die Grundstückspreise in die Höhe schossen. Das ursprünglich von der Regierung geplante Budget von 314 Milliarden Rubel (8,6 Milliarden Euro) kann nicht mehr eingehalten werden. Experten rechnen mit einer Verdreifachung der Ausgaben.

Bei einer Pressekonferenz in Sotschi kündigte Viktor Kolodjaschnyi, Chef der staatlichen Olympia-Gesellschaft Olimpstroj, weitere Ausschreibungen bis Ende des Jahres an. So soll der Bau für die fünf Eishallen und die Errichtung von Drei-Stern-Hotels ausgeschrieben werden.

Insgesamt sollen im Imeretinskaja-Tal 8000 Zimmer der Drei-Stern-Kategorie, 3000 Zimmer der Vier-Stern-Kategorie, sowie 1300 Zimmer der Fünf-Stern-Kategorie geschaffen werden. "Das sind nicht nur sehr interessante Projekte, sie sind auch lohnend", sagte der Olimpstroj-Chef. Die staatliche Olympia-Gesellschaft werde die Pacht auf 49 Jahre übernehmen.

Kolodjaschnyi, der bis April 2008 Bürgermeister von Sotschi war, kündigte bis Jahresende außerdem die Ausschreibung für die 70 Kilometer lange Straße von Sotschi ins Skigebiet Krasnaja Poljana an. "Wir laden große internationale Unternehmen dazu ein, sich zu bewerben", sagte Kolodjaschnyi. Begrüßenswert wäre die Teilnahme eines Unternehmens, das Erfahrungen im Bau von Bergstraßen habe.

Gute Chance dürfte dabei der österreichische Baukonzern Strabag haben, an dem der russische Oligarch Oleg Deripaska 30 Prozent besitzt. Die Strabag erhielt bereits den Auftrag, ein neues Terminal am Flughafen Adler bei Sotschi zu bauen. Gesucht wird auch noch immer ein Investor für die Bobbahn, die rund 100 Millionen Euro kosten soll. (Verena Diethelm aus Sotschi, DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2008)

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    Mit der Gemütlichkeit in Sotschi dürfte es bald vorbei sein. Ein neuer Hafen mit 15 Kaianlagen ist geplant.

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