"Verbot der Leerverkäufe wird den Krach vergrößern"

23. September 2008, 18:35
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Hedgefonds gegen Aus für Wetten auf sinkende Kurse

New York / Wien - Das Verbot von Leerverkäufen in New York, Frankfurt, London und anderen Handelsplätzen hat seine Wirkung ziemlich verfehlt. Trotz der vorerst auf Finanzwerte beschränkten Maßnahme sind am Montag Bank- und Versicherungswerte abgestürzt. Auch am Dienstag stand der Sektor weiter unter Druck. In den USA wurde das Aus für diese Form der Wetten auf sinkende Kurse am Dienstag auf zahlreiche Industrietitel ausgedehnt.

Für Christian Baha, Gründer des österreichischen Hedgefonds Superfund, ist die verfehlte Wirkung keineswegs überraschend. "Wenn über Jahrzehnte eine Blase aufgebaut wird, kann man das Platzen nicht durch eine isolierte Maßnahmen aufhalten", meint er im Gespräch mit dem STANDARD. Zumal zahlreiche andere Vorgangsweisen weiter für fallende Kurse sorgen können. Die einfachste ist schlicht der Verkauf von Aktien durch Anleger. Spezialisten verfügen zudem über weitere Instrumente, um mit fallenden Kursen zu verdienen, betont der Experte.

Baha kritisiert, dass das Verbot des short selling dem Markt einerseits Liquidität entziehe, andererseits die Bewertung verzerre. Dadurch werde "das Desaster nur verschoben, der Krach letztlich noch größer ausfallen", meint der Superfund-Mann, der zuletzt als Begleiter von Teri Hatcher beim Opernball für Aufsehen erregte.

Andere Beobachter werten die Einschränkungen des short sellings wiederum als eher symbolische Angelegenheit. So ließe sich das Verbot leicht umgehen, weil die einzelnen Maßnahmen nur für nationale Transaktionen gelten, meint ein Insider. Wenn etwa eine Londoner Bank eine Frankfurter Aktie leer verkaufe, gebe es dagegen keine Handhabe.

In Österreich kam es erst gar nicht so weit. Die Finanzmarktaufsicht hat wie berichtet am Montag lediglich eine verschärfte Kontrolle der Geldwetten auf sinkende Kurse angekündigt. Konkret wurden Indizien festgelegt, die den Verdacht auf Marktmissbrauch nahe legen. Kritische ist beispielsweise, wenn ein Marktteilnehmer mit mehr als 0,25 Prozent aller Aktien einer Gesellschaft auf sinkende Kurse spekuliert. Die FMA selbst kann kein Verbot aussprechen, dazu bedürfte es einer Gesetzesänderung, von der Finanzminister Wilhelm Molterer aber nichts halten soll.

Schutz für GM und Ford

Die USA haben das short selling auf weitere Bereiche ausgedehnt. Auf der Liste stehen jetzt etwa auch Aktien der Autobauer General Motors (GM) und Ford sowie des Mischkonzerns General Electric (GE), die allerdings alle Finanzsparten oder Bankentöchter haben. Die Spekulationsgeschäfte sind damit mittlerweile für 900 statt bisher knapp 800 US-Titel untersagt.

Während in den USA Leerverkäufe gänzlich untersagt wurden, hat die deutsche Finanzmarktaufsicht die Restriktionen auf "nackte" Leerverkäufe, bei denen keine Aktien geliehen werden, beschränkt. Gedecktes short selling bleibt erlaubt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2008)

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    Christian Baha hält den Kampf gegen sinkende Kurse für verfehlt.

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