Das Umfeld verändert die Branche

23. September 2008, 17:47
posten

Viele Hedgefonds müssen ihre Strategie überdenken - Die Krise zehrt auch an Private Equity

Wien - Das Verbot von Short Selling (siehe Wissen) in mehreren europäischen Ländern und in den USA dürfte nun Hedgefonds unter Druck bringen. Denn gerade für diese Fonds sind Leerverkäufe oft ein wesentlicher Teil ihrer Strategie, die jetzt wegfällt.

Rund ein Drittel der weltweit etwa 9000 Hedgefonds agiert in erster Linie am Aktienmarkt. Sie verdienen ihr Geld, indem sie sowohl auf fallende als auch auf steigende Kurse setzen. Die Branche verwaltet rund 1300 Milliarden Euro. 799 Finanz-Aktien sind allein in den USA vorübergehend für Leerverkäufe gesperrt.

Einige Hedgefonds haben bereits angekündigt, gegen dieses Verbot zu klagen. "Immer, wenn neue Regeln aufgestellt werden, kommt es zu einem Umbruch in der Branche", sagt ein Hedgefonds-Manager zum Standard. Das bedeute zwar nicht, dass nun ein Hedgefonds nach dem anderen kollabieren werde. Viele dieser Manager hätten aber bereits reagiert, Risiko aus ihrer Veranlagung genommen und würden verstärkt Cash-Positionen halten.

Dennoch sei es schwierig, die Geschäfte am Laufen zu halten, wenn die zugrunde liegende Strategie nicht mehr angewendet werden könne. Die Folge: Einige Hedgefonds könnten sich auflösen und Geld an die Anleger zurückzahlen.

Von der Finanzkrise getroffen werden zunehmend auch Private-Equity-Fonds. Sie agieren vor allem mit einem hohen Einsatz von Fremdkapital (Leverage). Da sich die Refinanzierungskosten verschärft haben, dürfte so mancher Deal am Wackeln sein. Bereits gemunkelt wird, dass selbst große Leveraged Buyouts wie Gmac (Finanzinstitut, an dem General Motors mit 49 Prozent beteiligt sind) und Chrysler gefährdet seien.

Für Ernüchterung sorgt das Beteiligungsunternehmen Kohlberg Kravis Roberts (KKR), das tief in die Verlustzone gerutscht ist. Im ersten Halbjahr wurde ein Verlust von 1,1 Mrd. Dollar (755 Mio. Euro) verbucht nach einem Beteiligungsgewinn von 3,4 Mio. im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust betrug 1,1 Mio. Dollar nach einem Gewinn von 667 Mio. Dollar. Der Mangel an Krediten habe große Übernahmen erschwert, heißt es. Auch Konkurrent Blackstone hatte kürzlich einen Gewinneinbruch erlitten.  (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2008)

Share if you care.