Geistesblitz: Medien, Macht und Meinung

23. September 2008, 19:25
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Österreichischer Arbeitsmarkt "recht eng": Kommunikations-Forscherin Natascha Just wechselte an die Uni Zürich

Jobs in der Kunst- oder Medienbranche und der Beruf "Wissenschafterin" haben einiges gemeinsam: Nomadentum und vielfach schlechte finanzielle Bedingungen. "In Österreich ist der Arbeitsmarkt für Wissenschafter und Journalisten recht eng", bemerkt Kommunikationswissenschafterin Natascha Just. Die 36-Jährige beschäftigt sich mit Wettbewerb, Marktmacht und Regulierungsbestrebungen im Mediensektor, der aufgrund der Kostenstrukturen zu hoch konzentrierten Märkten tendiert.

Gleichzeitig zeichnet sich die Messung der Medienkonzentration durch analytische Hilflosigkeit sowie umstrittene und/oder unzureichende Ansätze aus. "Die Zahl der Anbieter auf dem Markt bleibt aber ein wichtiger Indikator für eine demokratische Gesellschaft", so Just, die mit den österreichischen Gegebenheiten bestens vertraut ist.

Ihre wissenschaftlichen Lehrjahre verbrachte sie in der Gruppe von Michael Latzer an der Akademie der Wissenschaften. Mit dem sie nun seit Anfang September wieder zusammenarbeitet – in der Abteilung für Medienwandel und Innovation an der Uni Zürich, die ihr Doktorvater dort aufbaut. Neben Publizistik belegte Just an der Uni Salzburg Romanistik und knüpfte so an ihre Wurzeln in Rom an, wo sie zur Welt kam. Aufgewachsen ist sie in Salzburg. Es folgten Studien- und Forschungsaufenthalte in Perugia, Wien, New York und Los Angeles, was sie "offener und situationsbedingt auch kompromissbereiter" gemacht hat.

Die US-Wissenschaft, die sie als Forscherin an der University of Southern California und der Stanford Law School kennenlernte, empfindet sie dienstleistungsorientierter als in Österreich. Als Gast erhielt sie jede erdenkliche und umfassende Unterstützung rasch und unkompliziert. Auch die Nachwuchsförderung wird stärker betrieben: Die Professoren sind interessiert daran, ihre Studierenden gut zu platzieren.

An der Universität Wien schloss Just zuletzt ihr Hertha-Firnberg-Projekt über "Zukunftstrends der Regulierung des konvergenten Kommunikationssektors" mit Schwerpunkt Wettbewerbsrecht und sektorspezifische Regulierung ab. Seit August 2006 ist sie Fellow des Transatlantic Technology Law Forum (TTLF), einer Gemeinschaftsinitiative der Rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Wien und Stanford.

In diesem Think-Tank setzt sie sich mit Informationstechnologien im Verhältnis von Wettbewerbsrecht und Regulierung auseinander. "Es ist immer möglich, sich über Drittmittel eine eigene Stelle zu schaffen und sich so weiter zu qualifizieren. Will man aber aufsteigen, ist das Ausland fast unvermeidbar", begründet sie ihre Entscheidung nach Zürich zu gehen. Dort seien Möglichkeiten und Mittelausstattung einfach besser.

Die Tochter zweier Schauspieler hat selbst in Performances mitgewirkt und Kulturrezensionen verfasst. Inzwischen genießt sie Theater, Kunst und Film – als Zuschauerin. Sport, Reisen und Zeit mit Freunden verbringen, sorgen für den Ausgleich zur Kopfarbeit. Wissenschafterin Natascha Just will ins Ausland, um aufsteigen zu können. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9. 2008)

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