Forschung zieht um

23. September 2008, 19:25
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Ein niederösterreichisches Fonds-Programm unterstützt Technologieunternehmen

Mit Tecnet Equity hat das Land Niederösterreich einen Fonds mit 18,3 Millionen Euro im Topf etabliert, der junge Unternehmen aus den Bereichen Informations-, Kommunikations-, Umwelt- und Biotechnologie sowie Materialwissenschaften und industrielle Technologien finanziert. "Wir wollen in das Segment hineingehen, wo es in Österreich noch wenige wagen. 100.000 bis 1,5 Millionen Euro ist unsere Investitionsbandbreite", erklärt Jürgen Ennöckl, Investment-Manager des Fonds.

Jüngstes Beispiel dafür ist die derzeit noch in Oberösterreich beheimatete Gunytronic, die Spezialsensoren für den Industriebereich entwickelt. Die erste Finanzierungsrunde wurde kürzlich erfolgreich abgeschlossen. "Gunytronic hat sich für den Technologiestandort Niederösterreich entschieden und will nun mit einem Hightech-Produkt international Fuß fassen", hält Doris Agneter, Vorstand bei Tecnet, fest.

Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass der Fonds dem Land Oberösterreich ein steuerzahlendes Unternehmen genommen hat. Ennöckl relativiert: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass junge Unternehmen im Standort flexibel sind. Mit Gunytronic haben wir nun auch ein oberösterreichisches Unternehmen nach Niederösterreich geholt", so der Manager. Für den Sensorenentwickler zahlt sich die Abwanderung offensichtlich aus. Das Unternehmen Gunytronic wurde 2006 gegründet und hat sich auf Messungen von Gasströmungen spezialisiert. Dazu wird ein neuartiges und bereits patentiertes Messverfahren mittels Ionisierung verwendet.

Die entwickelten Sensorsysteme können für verschiedenste Anwendungen eingesetzt werden. Dazu zählen auch komplexe Messungen von Prozessgasströmungen unter widrigsten Einsatzbedingungen, wie sie zum Beispiel von der Stahlindustrie oder der chemischen Industrie gefordert werden. Diese Bedingungen sind Temperaturen bis zu 900 Grad Celsius, hohe Staubbelastung, aggressive Gase und schnell wechselnde Drücke. Ein Wissensvorsprung, den man auch dementsprechend schützen will.

Geld und Tipps

Gerade bei der Sicherung von Ideen will Tecnet in Sachen Patent- und Technologieverwertung dem Unternehmen nicht nur Geld zugänglich machen. "Die Erstanmeldung eines Patents in Österreich kostet rund 5000 Euro. Soll die Erfindung auch im Ausland geschützt sein, sogar 11.000 Euro", rechnet Klaus Schneeberger, Aufsichtsratsmitglied von Tecnet Capital und ÖVP-Niederösterreich-Klubobmann im Landtag, vor: "Darüber hinaus helfen wir bei der Umsetzung des Business-Plans. Aber auch Personalfragen versuchen wir zu lösen, und wir wollen bei der Generierung von Referenzkunden behilflich sein." Neben der umfangreichen finanziellen Hilfe arbeitet Tecnet dennoch gewinnorientiert. Immerhin wurde der Fonds vom Europäischen Investmentfonds (EIF), der deutschen Invest-Gesellschaft PW&CIE, der NÖ Hypo sowie der Raiffeisen Holding NÖ-Wien gespeist.

Bisher wurden vier Beteiligungen eingegangen (darunter: Kinamu Business Solutions, Sail Labs Technology und Senactive IT Solutions). "Wir arbeiten rein gewinnorientiert und damit gewinnmaximiert", bestätigt Ennöckl. Ein Beispiel für den bisherigen Erfolg ist unter anderem der mittlerweile international aufgestellte Software-Anbieter UC4.

Die Anteile wurden bereits an strategische Partner verkauft. Auf diese Weise sollen bisher 250 hochwertige Arbeitsplätze entstanden sein. Um die Gewinne von Tecnet noch zu steigern, werden deshalb laufend neue Projekte gesucht. "Wir arbeiten sehr stark mit den Gründerzentren zusammen, um den Kontakt mit den Forschern zu halten", erklärt der Investment-Manager abschließend. "Derzeit sind es noch hauptsächlich Unternehmen aus dem Bereich Informationstechnologien und Telekommunikation. Doch ein Abschluss aus einem anderen Investitionsbereich steht kurz bevor." (kla/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9. 2008)

  • Unternehmen sollen wegen des Fonds-Programms zum Umzug nach
Niederösterreich verleitet werden.
    foto: teutopress; bildbearbeitung: friesenbichler
    Foto: Teutopress; Bildbearbeitung: Friesenbichler

    Unternehmen sollen wegen des Fonds-Programms zum Umzug nach Niederösterreich verleitet werden.

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